Bewegungsdrang bei Demenz
Georg Neumann
Mein Name ist Georg Neumann. Ich bin Ihr Experte für Pflege und Demenz.
Ein unablässiger Bewegungsdrang, das ständige Bedürfnis zu laufen, ist das Problem von manchen Menschen mit Demenz. Wo sind die Ursachen? Wie kann man damit umgehen?
Ursachen für den Bewegungsdrang bei Demenz
Manche Demenzkranke laufen unablässig die Gänge entlang, erkunden die verschieden Zimmer oder sie suchen das Freie auf. Dies kann recht unterschiedliche Ursachen haben:
- Verunsicherung
Das Umherwandern ist ein Ausdruck dieser Verunsicherung, zumal dies sprachlich nicht mehr gelingt. - Hinlaufen
Der Bewegungsdrang ist als Suche nach Geborgenheit zu verstehen, oftmals nach dem kindlichen Heim. - Weglaufen
Der Demenzkranke will weglaufen, weil der sich z. B. nach einem Umzug ins Heim unwohl fühlt und in der neuen Umgebung Angst hat. Auch fremd empfundene Personen oder Halluzinationen können den Laufdrang auslösen. - Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
Die Verwirrtheit führt dazu, dass sich der Demenz-Kranke in einer anderen Zeit, sei es z. B. in der Jugendzeit oder auch am Tage statt in der Nacht, wähnt. Die damit verbundenen Pflichtgefühle oder Sehnsüchte führen dann zum Bewegungsdrang. - Medikamente
Manche Medikamente können als Nebenwirkung oder entgegen der erwarteten beruhigenden Wirkung zum Gegenteil führen und Bewegungsdrang auslösen.
Die Pflegeverantwortlichen müssen sich im Einzelfall fragen, ob der Bewegungsdrang Ursachen hat, welche behebbar sind und ob der Laufdrang ein Ausmaß angenommen hat, das dem Demenzkranken selber schadet oder für andere unzumutbar ist.
Oftmals wird man die Ursachen dadurch herausfinden können, dass man überlegt, ob es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen (verstärktem) Bewegungsdrang und bestimmten räumlichen, personellen oder medikamentösen Änderungen gibt. Manchmal wird man ohne eindeutige Erklärung den Laufdrang als Symptom der Demenz-Krankheit akzeptieren müssen.
Was kann man gegen den Bewegungsdrang bei Demenz tun
Dieses Akzeptieren des Bewegungsdrangs kann als Konsequenz in zwei gegensätzlichen Extremen münden: Entweder das Wohnumfeld lässt sich so gestalten, dass der Laufdrang ohne besondere Gefahr "ausgelebt" werden kann oder das Laufbedürfnis wird unterdrückt.
Als äußerste Notmaßnahme kann dies "Fixierung" bedeuten. Es bedarf keiner besonderen Begründung, dass das zwangsweise Unterdrücken eines vorhandenen Bedürfnisses nicht nur die Menschenwürde tangiert, sondern der Lebensqualität des Menschen mit Demenz mindert und häufig zu Aggressionen führen wird.
Trotz dieser Einsicht werden die für Pflegebedürftige Verantwortlichen mitunter auch freiheitsentziehende Maßnahmen zur Sicherung ergreifen müssen. Meist jedoch lässt sich durch einen Mix an Einzelmaßnahmen die notwendige Sicherheit erreichen, ohne die Lebensqualität unnötig einzuschränken.
Im Beitrag Hilfen bei Demenz: Mehr Sicherheit durch technische Hilfsmittel finden Sie zusätzlich Informationen.
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