Diagnose Parkinson: Wie können Betroffene besser schlafen?

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Deutschlandweit leiden vermutlich 300.000 Menschen an der Parkinsonerkrankung. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Laut einer großangelegten Studie leiden 70 bis 75 % der Erkrankten an Schlafstörungen. Die Belastung durch dieses Symptom wurde in einer Befragung Betroffener an zweiter Stelle genannt, nach Depressionen und noch vor dem Gefühl der Abhängigkeit.

Schlafstörungen bei Menschen mit Parkinson haben unterschiedliche Ursachen. In unterschiedlichen Studien und Befragungen äußerten Betroffene folgende Gründe für ihre Schlafstörungen:

  • Häufiges nächtliches Wasserlassen
  • Unbeweglichkeit im Bett, erschwertes Umdrehen
  • Krämpfe in den Beinen
  • Alpträume, lebhafte Träume
  • Dystonien (Fehlhaltungen, z.B. Schiefhals), Hyperkinesen (unwillkürliche, übermäßige Bewegungen einzelner Körperteile)
  • Beinbewegungen, Restless Legs Syndrom (engl. unruhige Beine)
  • Nächtlicher Tremor
  • Halluzinationen

Hinzu kommen depressionsbedingte Schlafstörungen. Dies können Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen sein oder verfrühtes Erwachen. Betroffene liegen häufig stundenlang wach und grübeln.

Parkinsonerkrankte leiden häufig auch unter der sog. REM-Schlafstörung. Normalerweise sind im Schlaf die Muskeln entspannt. In der REM-Phase spannen sich die Muskeln wieder an. REM steht für Rapid Eye Movement, engl. = schnelle Augenbewegung. Es kann in dieser Schlafphase zu Handlungen wie Treten, Sprechen, Schreien oder Schlagen kommen. Ein Großteil Parkinsonerkrankter leiden unter dieser Schlafstörung. Häufig besteht diese nächtliche Unruhe bereits vor der Ausprägung sonstiger Parkinsonsymptome.

Besprechen Sie Schlafstörungen mit dem behandelnden Neurologen!

Guter, ausreichender und erholsamer Schlaf trägt erheblich zum gesamten Wohlbefinden bei. Schlafstörungen sind Begleiterscheinungen der Parkinson-Erkrankung, die den Gesamtzustand des Betroffenen auch am Tage stark beeinträchtigen. Menschen, die nachts nicht gut schlafen können, fühlen sich tagsüber häufig "wie erschlagen". Die Leistungsfähigkeit sinkt, die Kardinalsymptome der Erkrankung verstärken sich, Sekundenschlafphasen am Tag setzen ein. Nehmen Sie schlechten Schlaf nicht als "normale Erscheinung" des Alters und der Erkrankung hin. Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber.

Bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor!

Je mehr konkrete Informationen Sie dem Arzt zur Verfügung stellen können, desto besser kann dem Betroffenen geholfen werden. Führen Sie im Vorfeld des Arzttermins eine Art "Schlaftagebuch".

Folgende Punkte sollten Sie für einige Tage beobachten:

  • Wann ist der Erkrankte zu Bett gegangen? Hat er tagsüber geschlafen (Mittagsschlaf, eingenickt…)?
  • Wann wurde zu Abend gegessen? Was gab es (leichte, kleine Mahlzeit, warme Hauptmahlzeit…)?
  • Welche Getränke wurden am Abend aufgenommen (Wasser, Tee, Kaffee, Cola, Alkohol…)?
  • Wie viel hat sich die betroffene Person tagsüber bewegt, gab es einen Abendspaziergang…?
  • Welche Beschäftigungen erfolgten vor dem Schlafengehen?
  • Wie ist die Stimmungslage, gibt es Hinweise auf Depressionen?
  • Wann wurden die letzten Parkinson-Medikamente am Abend eingenommen?
  • Wie lange sind die Schlafphasen, nach wie vielen Stunden erfolgt das erste Erwachen?
  • Warum wurde der Betroffene wach (Harndrang, Zittern, Bewegungsstörungen…), konnte er wieder einschlafen?

Wenn Sie diese Informationen zusammenstellen, werden Ihnen vermutlich selbst einige Punkte auffallen, wann Betroffene besonders gut oder schlecht schlafen. Diese sollten Sie im Tagesablauf berücksichtigen, um so den Nachtschlaf zu verbessern.

Welche Therapiemöglichkeiten und Hilfen gibt es bei Schlafstörungen?

Medikamente: Häufig stehen nächtliche Schlafschwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Wirkstoffspiegel der Parkinson-Medikamente. Nachts sinkt der Blutspiegel der Medikamente ab, es kann zur Ausprägung der unterschiedlichsten Symptome kommen.

Der behandelnde Neurologe wird die entsprechenden, erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Dies könnte beispielsweise die Anpassung von Dosierung oder Einnahmezeit sein, Umstellung auf verzögert wirkende Medikamente (Retard-Medikamente) oder die Bereitstellung eines löslichen Bedarfsmedikamentes. Besprechen Sie die Symptomatik der Schlafprobleme ausführlich mit dem Arzt. Dabei sind detaillierte Schilderungen aus dem Schlaftagebuch hilfreich.

Schlafmedikamente und die letzten Parkinsonmedikamente sollten im Bett eingenommen werden, direkt vor dem Schlafen.

Bett und Bettwäsche: Wenn möglich, sollten Parkinsonpatienten auf einer festen bis harten Matratze schlafen. So fällt das Umdrehen im Bett leichter. Eine zu weiche Matratze, in die Schlafende einsinken, erschwert den Wechsel der Schlafposition. Eine leichte Bettdecke und ein glattes Laken, beispielsweise aus Seide, erleichtern Bewegungen im Bett. Bettwäsche aus Naturmaterialien sorgen für ein gutes Schlafklima. Mikrofaser ist zwar meist leicht und glatt, viele Menschen schwitzen aber stark in dieser Bettwäsche.

Ein elektrisch verstellbares Bett erleichtert das Aufstehen und selbständiges Umlagern. Besteht eine Pflegestufe, stellt Ihnen die Pflegekasse ein Pflegebett zur Verfügung. Es sollte unbedingt ein Bettbügel ("Galgen") als Aufrichthilfe am Bett vorhanden sein.

Nächtliches Wasserlassen: Eine Urinflasche für Männer sorgt nachts für Entlastung, da nicht jedes Mal aufgestanden werden muss. Für Frauen oder Männer, die mit dem Anlegen der Urinflasche schlecht zurechtkommen, können auch saugstarke Inkontinenzvorlagen eine Alternative darstellen. Es kostet für Betroffene häufig zunächst Überwindung, bewusst in eine Vorlage zu urinieren. Wenn dadurch jedoch das mühsame Aufstehen zum nächtlichen Toilettengang vermieden werden kann, wird dies in den meisten Fällen als hilfreiche Möglichkeit akzeptiert. Lassen Sie sich im Sanitätshaus zu geeigneten Produkten beraten. Es gibt Vorlagen mit bis zu 2500 ml Fassungsvermögen.

Parkinsonbedingte Blasenstörungen sollten durch den Urologen abgeklärt werden. Häufig hilft auch eine medikamentöse Therapie.

Schlaffördernde Umgebung: Sorgen Sie für angenehme Beleuchtung. Wird ein Licht angelassen, sollte dies heruntergedimmt werden und nicht in die Augen fallen. Vielen Menschen hilft leise, entspannende Musik beim Einschlafen.

Wird im Bett noch Fernsehen geschaut, sollte dieser auf jeden Fall nach dem Einschlafen abgeschaltet werden. Dafür können Sie eine Zeitschaltuhr nutzen. Manche Fernseher haben auch einen Einschlaf-Timer, über den das Gerät sich nach einer vorgegebenen Zeit abschaltet.

Depressionen: Viele Menschen mit Parkinson leiden unter Depressionen. Diese können Schlafstörungen bedingen. Die Behandlung der Depression trägt zum besseren Schlafen bei.

Guter, erholsamer Schlaf ist ein wichtiger Baustein zu Erhalt und Verbesserung der Lebensqualität. Nur wer gut schläft, kann genügend Kraft für anstrengende Tage schöpfen – dies gilt für Betroffene wie für Angehörige. Eine gute, entspannte Nacht gibt Spannkraft und Mut für die Bewältigung der Parkinsonsymptome und die damit verbundenen Belastungen sowohl für Betroffene als auch für die Menschen, die sie begleiten und unterstützen.

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Verfasst von: Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 13.03.2014 aktualisiert.

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Kategorien: Parkinson

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