Mit Erfolglosigkeit in der Pflege umgehen
Britta Kanacher
Mein Name ist Dr. Britta Kanacher. Ich bín Ihre Expertin für Kommunikation und Altenpflege.
Sie kennen das sicherlich, dieses Gefühl der Gleichläufigkeit oder das Gefühl, sich wie in einem Hamsterrad zu befinden. Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn keine Abwechslung mehr gegeben ist und die End- und Erfolglosigkeit der eigenen Tätigkeit zu Frust führt. Dies kann sich auch bei der Pflege von Angehörigen ergeben. Begegnen Sie dieser besonderen psychischen Belastung.
Pflegende Angehörige versorgen nicht nur täglich die pflegebedürftige Person, sondern meist stellen sie ihren persönlichen Tagesablauf auf die Bedürfnisse dieses Menschen ab.
Alltagsroutinen ohne Abwechslung
Pflegende ordnen sich und ihr Leben der Pflege unter. Dabei ist das, was zu tun ist, meist immer wiederkehrend. Immer wieder sind ähnliche oder gar gänzlich gleiche Tätigkeiten zu erledigen und dies ohne eine Perspektive baldiger Veränderung: jeden Tag morgendliche Hygiene, Frühstück, Medikamentengabe, Mittagessen, Abendessen und Abendhygiene und dazwischen Wäscheberge, Papierkram und vieles mehr.
Perspektiv- und Erfolglosigkeit
Bei der Krankenpflege steht der gesunde Patient sozusagen an der Ziellinie. Erzieht und versorgt man eigene Kinder, so stehen diese als erwachsene und selbständige Menschen an der Ziellinie. In beiden Fällen beflügelt und motiviert der stetig erreichte Fortschritt die tägliche Arbeit.
Dies ist bei der Pflegetätigkeit meist anders: der zu pflegenden Person geht es selten besser. Meist bestimmt eine mehr oder weniger wahrnehmbare kontinuierliche Verschlechterung den Alltag – dies trotz größter Bemühungen.
Unbeständigkeit der Tätigkeiten
Doch nicht nur das große positive Endziel fehlt in der Pflege, gleichzeitig sind die einzelnen Tätigkeiten meist nicht erfolgreich abzuschließen. Dies bedeutet, dass fast alles, was zu tun ist, nicht von langer Beständigkeit ist: Hygienetätigkeiten sind immer nur von kurzer Dauer, saubere Betten sind bald wieder zu beziehen, zubereitetes Essen wird gegessen, sauberes Geschirr wird durch erneute Nutzung wieder schmutzig, Verbände müssen erneuert werden und vieles mehr.
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Mit Erfolglosigkeit in der Pflege umgehen
Sehen Sie Ihre Arbeit und Ihre Erfolge
Trotzdem gibt es Erfolge! Pflegende Angehörige empfinden ihre Tätigkeit selbst oft als wertlos, weil sie es verlernt haben, ihre eigenen Fähigkeiten hinter den Leistungen zu sehen. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie nicht nur eine Tätigkeit ausüben sondern einen Beruf. Altenpflege ist ein Beruf, der eine drei Jahre andauernde Ausbildung voraussetzt. Sie erfüllen ein Berufsbild und meist geht Ihre tägliche Arbeit noch darüber hinaus: sie sind Krankenschwester, Putzfrau, Köchin, soziale Betreuung und Altenpflegerin zugleich.
Wenn es der zu pflegenden Person den alters- und krankheitsbedingten Umständen entsprechend, gut geht und sich diese Person wohl fühlt, dann nur wegen Ihnen – dies ist Ihr Verdienst!
Manchmal hilft es, sich selbst ein Bild über die eigenen Leistungen zu machen. Hierfür sollten Sie sich die Zeit nehmen und aufschreiben, was Sie alles tun und leisten. Vielleicht werden Sie darüber staunen, was Sie alles tun und was Sie folglich alles können.
Eigenlob stinkt nicht
Sie tun dies alles zur Zufriedenheit der pflegenden Person – warum nicht auch zu Ihrer eigenen Zufriedenheit? Vielleicht fällt es Ihnen schwer, sich selbst zu loben – dennoch sollten Sie dies tun. Entwickeln Sie Ihren eigenen Stolz auf Ihre Leistung. Wenn Sie dies tun und selbst stolz auf sich sind, dann wird dies auch dazu führen, dass Sie Lob von anderen erhalten.
Das Wichtigste jedoch, auf was Sie achten sollten, sind Sie selbst! Sie können der Pflegearbeit nur so gut und so lange nachkommen, wie Sie auch auf sich selbst achten. Verhindern Sie ein Burnout, indem Sie achtsam mit sich umgehen – dies kommt letztlich auch Ihrem zu pflegenden Angehörigen zugute.
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