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Abwehrendes Verhalten – Anzeichen für Schmerzen bei Menschen mit Demenz?

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Menschen mit fortgeschrittener Demenz sind häufig nicht in der Lage, Schmerzen als solche einzuordnen. Sie empfinden ein eindeutiges Unwohlsein, das sie aber nicht als Schmerzen erkennen. Es äußert sich in unklarem Verhalten wie Gereiztheit, Unruhe, Apathie oder scheinbar grundlosem Schreien. Lesen Sie hier, wie Sie erkennen, ob sich Schmerzen hinter dem gezeigten Verhalten verbergen können.

Demenzkranke benötigen die Unterstützung ihres Umfeldes, das für sie deren eigenes Befinden versteht. Um Schmerzen bei demenzkranken Menschen zu erkennen, müssen nahestehende Menschen sie gut beobachten und sich in sie hineinversetzen.

Versucht man, die Denkweise eines Demenzkranken nachzuvollziehen, wird durchaus eine eigene Logik darin sichtbar. Menschen, die es aus ihrer Kindheit kennen, dass Wunden mit Mehl bestäubt werden, erinnern sich daran. So ist es für sie durchaus logisch, einen Verband von einem Ulcus cruris ("offenes Bein") zu entfernen und stattdessen Mehl auf die Wunde zu streuen. Dass das Bein täglich von einem Pflegedienst nach den neusten Erkenntnissen versorgt wird, wird in diesem Moment nicht erinnert.

Bedenken Sie in diesem Zusammenhang, wie sich Ihr Angehöriger vor der Demenzerkrankung verhalten hat, wenn er krank war oder Schmerzen hatte. War er gereizt? Hat er über sein Unwohlsein gesprochen? Forderte er Aufmerksamkeit und wollte versorgt werden? Hat er sich eher zurückgezogen und wollte in Ruhe gelassen werden? Messen Sie diesen biografischen Aspekten eine wichtige Bedeutung zu!

Zahlreiche Studien belegen, dass Menschen mit Demenz bei gleicher Erkrankung deutlich weniger Schmerzmedikamente verordnet bekommen als Menschen ohne kognitive Einschränkungen. Ist dies ein Anzeichen dafür, dass Schmerzen durch die erschwerte Kommunikation nicht erkannt werden?

Schmerzerfassung durch Beobachtung

Die BESD (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz) – Skala ist die deutsche Übersetzung der amerikanischen PAINAD-Scale. Diese hilft dabei, über die Beobachtung bestimmter Parameter herauszufinden, ob Demenzerkrankte Schmerzen leiden.

Dabei ist zu beachten, dass, ähnlich wie bei den Demenztests, eine Beobachtung immer im in ihrem Kontext zu sehen ist und einen Hinweis bietet, der noch anderweitig verifiziert werden sollte. Weitere Hinweise liefert beispielsweise die ECPA-Skala, eine Skala zur Beurteilung von Schmerzen bei Menschen mit eingeschränkter Kommunikation.

BESD – Skala: Beobachtung in 5 Kategorien

Bei diesem Assessment (Erhebung) werden 5 Kategorien beobachtet, die ein Ausdruck für Schmerzen sein können: Atmung, negative Lautäußerungen, Gesichtsausdruck, Körpersprache und die Reaktion auf Trost. Für jede Kategorie werden 0 bis 2 Punkte vergeben. Die maximale Punktzahl beträgt 10 Punkte. Ab 6 erreichten Punkten liegt der Verdacht auf behandlungsbedürftige Schmerzen nahe. Beobachtungen bei Aktivitäten sind aussagekräftiger als in einer Ruhesituation.

Hilfreich: Beobachtung durch Außenstehende

Pflegesituationen gestalten sich durch abwehrendes Verhalten Demenzkranker häufig zunehmend schwierig. Einfache Hinweise können durch die sich aufschaukelnde Situation übersehen werden. Die Erfahrung zeigt, dass Außenstehenden Dinge manchmal eher auffallen als Angehörigen, die Tag für Tag eine belastenden, anstrengende Pflegesituation bewältigen. Ziehen Sie zur Beobachtung Ihres Angehörigen ruhig auch andere Menschen hinzu. Diese sind emotional sehr viel weniger beteiligt als Sie selbst und dadurch vielleicht objektiver.

Beobachten Sie die demenzkranke Person etwa 2 Minuten lang und machen Sie sich dann Notizen zu den folgenden Aspekten. Außer bei dem Aspekt Trost sind mehrere Antworten möglich. Es zählt jeweils die höchste Punktzahl.

BESD 1 – Atmung

Ist die Atmung normal (0 Punkte), oder gelegentlich angestrengt oder hat kurze Phasen der Hyperventilation (schnelle, tiefe Atemzüge)? (1 Punkt) Atmet Ihr Angehöriger laut und angestrengt, hat lange Phasen von Hyperventilation oder Cheyne Stoke Atmung (tiefer werdende und wieder abflachende Atemzüge mit Atempausen)? (2 Punkte)

BESD 2 – Negative Lautäußerungen

Beobachten Sie keine negativen Laute? (0 Punkte) Ächzt oder stöhnt Ihr Angehöriger, äußert sich leise negativ oder missbilligend? (1 Punkt) Ruft die pflegebedürftige Person wiederholt beunruhigt, stöhnt, weint oder ächzt sie laut? (2 Punkte)

BESD 3 – Gesichtsausdruck

Lächelt Ihr Angehöriger oder hat einen neutralen, nichtssagenden Gesichtsausdruck? (0 Punkte) Sieht der demenzkranke Mensch traurig oder ängstlich aus oder hat eine sorgenvollen Blick? (1 Punkt) Zieht er Grimassen? (2 Punkte)

BESD 4 – Körpersprache

Ist die Körperhaltung des Demenzkranken entspannt? (0 Punkte) Läuft er hin und her, nestelt an der Bettwäsche oder Kleidung? Ist die Körperhaltung angespannt? (1 Punkt) Ballt Ihre Angehöriger die Fäuste, zieht die Knie an, schlägt um sich, entzieht sich, stößt Sie weg oder ist die Haltung starr? (2 Punkte)

BESD 5 – Trost

Ist trösten nicht notwendig ? (0 Punkte) Lässt die demenzkranke Person sich bei oben beschriebenem Verhalten durch Ihre Stimme oder Berührungen ablenken oder beruhigen? (1 Punkt) Lässt er sich bei genanntem Verhalten nicht ablenken, trösten oder beruhigen? (2 Punkte)

Schmerztherapie bei Demenzkranken nach "Versuch und Irrtum"

Werden 6 Punkte oder mehr erreicht, liegt der Verdacht auf Schmerzen sehr nahe. Besprechen Sie Ihre Notizen mit dem behandelnden Arzt oder Schmerztherapeuten. Bei Menschen mit Demenz funktioniert Schmerzbehandlung nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum". Bei bestehendem Verdacht wird eine Schmerztherapie angesetzt und das gezeigte Verhalten weiter beobachtet. Nimmt das abwehrende oder auffallende Verhalten ab, können Sie davon ausgehen, dass Schmerzen die Ursache waren.

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Verfasst von: . Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 05.02.2015 aktualisiert.

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Kategorien: Demenz

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Demenz ist Oberbegriff für Erkrankungen des Gehirns, die vorwiegend im Alter auftritt. Sie beeinträchtigt unter anderem das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, Motorik, Orientierung, aber auch die Gemütslage und die sozialen Fähigkeiten.

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