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Demenz oder Delir: Erkennen Sie den Unterschied

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Leidet Ihr Angehöriger – wie aus heiterem Himmel – an Orientierungsstörungen? Ist er fast die ganze Nacht wach und schläft tagsüber viel? Klagt er über Halluzinationen? Etwa 50% aller Personen über 65, die in ein Krankenhaus eingewiesen werden, entwickeln ein Delir. Lesen Sie hier, was ein Delir ist, den Unterschied zur Demenz und wie Sie dem Erkrankten bei der Überwindung helfen können.

Was ist ein Delir?

Ein Delir ist ein plötzlich auftretender akuter Verwirrtheitszustand. Dieser entwickelt sich im Verlauf von wenigen Stunden. Folgende Symptome treten auf:

  • Bewusstseinstrübung: Ihr Angehöriger wirkt unaufmerksam, kann einem Gespräch nicht folgen.
  • Orientierungsstörungen: Ihr Angehöriger weiß nicht, wo er ist, ob es Tag oder Nacht ist, kennt das Datum oder die Jahreszeit nicht.
  • Gedächtnisstörungen: Ihr Angehöriger ist vielleicht nach einem Sturz im Krankenhaus, kann sich aber weder an den Hergang des Unfalls, die Fahrt ins Krankenhaus oder eine Operation erinnern und will trotz seines Gipsbeines aufstehen.
  • Wahrnehmungsstörungen im Sinne von Halluzinationen oder Fehlinterpretationen: Der Betroffene sieht plötzlich die sprichwörtlichen weißen Mäuse oder hat Angst vor einem Bild, weil er meint, dahinter sei eine Kamera versteckt, die ihn kontrolliere.
  • Psychomotorische Unruhe: Ihr Angehöriger wirkt überdreht, nestelt an seiner Bettdecke, will aufstehen oder redet sehr viel schneller und mehr als sonst.
  • Störung des Tag- Nachtrhythmus: Der Erkrankte kann nachts nicht schlafen, ist unruhig, ruft Sie laufend, schreit um Hilfe oder versucht wiederholt, aufzustehen. Tagsüber ist er müde, schläft viel, will nicht essen oder trinken.

Wie unterscheidet man Demenz und Delir?

Eine Demenz entwickelt sich im Gegensatz zum Delir langsam und schleichend. Symptome wie Orientierungsstörungen bleiben häufig zunächst länger unerkannt oder werden vom Betroffenen überspielt. Das ist bei einem Delir nicht möglich, es tritt plötzlich innerhalb weniger Stunden auf hat akute Symptome, die sich nicht überspielen lassen.

Eine Demenz ist nicht heilbar, der Verlauf kann bei frühzeitiger Diagnose und Therapie positiv beeinflusst werden. Ein Delir bildet sich innerhalb weniger Tage komplett zurück.

Wie entsteht ein Delir?

Ein Delir kann sehr unterschiedliche Ursachen haben.

  • Infekt: z. B. Pneumonie (Lungenentzündung) oder eine Zystitis (Blasenentzündung)
  • starke Schmerzen
  • Abfall von Blutdruck oder Blutzucker
  • Harnverhalt: Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren
  • Flüssigkeitsmangel: Grade bei heißem Wetter erkranken viele ältere Menschen an einem Delir, weil sie zu wenig trinken und quasi "austrocknen"
  • Vorerkrankungen: Schlaganfall, Demenz, schwere körperliche Erkrankungen mit Organversagen von Leber oder Nieren oder schwere Krebsleiden können ein Delir auslösen.
  • Medikamente: manche Herzmedikamente, Parkinsonmedikamente, starke Schmerzmedikamente wie beispielsweise Schmerzpflaster oder Blutdrucksenker können ein Delir auslösen. Näheres dazu finden Sie in den Packungsbeilagen unter "Nebenwirkungen". Auch das Absetzen der Medikamente kann einen Entzug – ähnlich dem Alkoholentzug bei Alkoholikern – auslösen, durch den ein Delir entstehen kann.
  • Umgebungsänderung: Eine Krankenhauseinweisung, der Umzug in ein Pflegeheim oder ein Aufenthalt in fremder Umgebung zur Kurzzeitpflege kann eine plötzliche, vorübergehende Verwirrtheit auslösen.

Wie häufig tritt ein Delir auf?

Etwa die Hälfte der über 70jährigen Personen, die in ein Krankenhaus eingewiesen werden, entwickeln eine akute Verwirrtheit. Unabhängig vom Alter erkranken etwa 40% der Patienten auf einer Intensivstation an einem Delir. Besonders bei Operationen nach einer Oberschenkelhalsfraktur ("Bruch der Hüfte") liegt die Häufigkeit eines deliranten Zustandes zwischen 50 und 70%.

Wer ist besonders gefährdet?

  • Menschen über 65, Männer häufiger als Frauen
  • immobile, schwerkranke Menschen
  • Menschen mit Demenz, Schlaganfall, Depressionen
  • Personen, die sich unzureichend ernähren (Flüssigkeitsmangel/Mangelernährung)
  • Menschen, die viele Medikamente einnehmen, insbesondere Psychopharmaka
  • Seh- und Hörbehinderte
  • Menschen, die an Infekten erkrankt sind, besonders im Zusammenhang mit Fieber, Schock oder Sauerstoffmangel
  • Personen, die große Operationen oder traumatische Ereignisse wie schwere Unfälle oder Unglücke erlebt haben
  • Suchtkranke

Wie wird ein Delir behandelt?

Zunächst müssen die möglichen Ursachen für das Delir identifiziert werden. Die Medikamente werden überprüft, es wird das Blutbild untersucht, ein EEG (Untersuchung der Hirnströme) durchgeführt. Ursachen wie Flüssigkeitsmangel, Schmerzen oder Infektionen werden behandelt.

Wie können Sie Ihren Angehörigen in einem Delir unterstützen?

  • Achten Sie auf eine gute Beleuchtung des Krankenzimmers. Dies erleichtert die Orientierung und schützt vor Fehlinterpretationen.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung. Dauerhafte Reize wie Radio/Fernsehen oder plötzliche Geräusche sollten vermieden werden.
  • Hängen Sie eine Uhr oder einen Kalender in den Sichtbereich des Erkrankten. Sorgen Sie dafür, dass er aus dem Fenster schauen kann.
  • Achten Sie darauf, dass der Betroffene seine Brille oder Hörgerät trägt, dass diese sauber bzw. richtig eingestellt sind.
  • Reden Sie beruhigend mit dem Erkrankten. Er hat vermutlich selbst große Angst in seinem Zustand. Gebrauchen Sie einfache und kurze Sätze.
  • Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und Ausscheidung von Stuhl und Urin
  • Versuchen Sie, den gestörten Schlafrhythmus wieder herzustellen.
  • Besuchen Sie Ihren Angehörigen so häufig wie möglich, wenn er im Krankenhaus ist. Vertraute Personen bieten Sicherheit und Beruhigung.
  • Ändern Sie so wenig wie möglich an der Umgebung. Dies kann zusätzliche Irritation oder Verunsicherung hervorrufen.

Versuchen Sie selbst, ruhig und gelassen zu bleiben. Dies ist oft nicht leicht, wenn nahestehende Menschen plötzlich verändert und fremd wirken. Denken Sie daran: Auch wenn das Delir akute und beängstigende Symptome aufweist, es geht innerhalb weniger Tage vorbei!

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Verfasst von: . Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 09.03.2014 aktualisiert.

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Kategorien: Demenz

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