Gesetzliche Pflegeversicherung: Was bedeutet die Einstufung in eine Pflegestufe für Sie?

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Bei der gesetzlichen Pflegeversicherung werden Pflegebedürftige entsprechend des Umfangs des Hilfebedarfs in eine von drei Pflegestufen zugeordnet. Je nach Pflegestufe unterscheidet sich die Höhe der Leistungen. Welche Pflegestufen gibt es? Was bedeutet die Einstufung für Sie und Ihren Angehörigen?

Was heißt Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichen oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Dazu gehören Körperpflege, hauswirtschaftliche Versorgung, das Zubereiten und die Aufnahme von Nahrungen sowie Hilfe bei der Mobilität, die vom Aufstehen und Zubettgehen über das An- und Ausziehen bis zum Gehen und Stehen reicht.

Krankheiten und Behinderungen sind dabei: Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- oder Bewegungsapparat. Außerdem Funktionsstörungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

Wie werden die einzelnen Hilfsbereiche unterteilt?

Der Gesetzgeber unterteilt die Hilfsbereiche in folgende Verrichtungen im:

  • Bereich Körperpflege:
  • Waschen
  • Duschen
  • Baden
  • Zahnpflege
  • Kämmen
  • Rasieren
  • die Darm- oder Blasenentleerung
  • Bereich Ernährung:
  • das mundgerechte Zubereiten der Nahrung
  • die Aufnahme der Nahrung
  • Bereich Mobilität:
  • Aufstehen und Zu-Bett-Gehen
  • An- und Auskleiden
  • Stehen und Gehen
  • Treppensteigen
  • Verlassen und wieder Aufsuchen der Wohnung
  • Bereich hauswirtschaftliche Versorgung:
  • Einkaufen
  • Kochen
  • Treppensteigen
  • Verlassen und wieder Aufsuchen der Wohnung
  • Reinigen der Wohnung
  • Geschirr spülen
  • Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung
  • Beheizen der Wohnung

Welche Pflegestufen gibt es?

Die Leistungen der Pflegeversicherung richten sich danach, wie oft und wie lange der Einzelne Hilfe benötigt und sind damit abhängig vom Ausmaß der Pflegebedürftigkeit. Um diesen unterschiedlichen Pflegebedarf Rechnung zu tragen, hat der Gesetzgeber drei Pflegestufen festgelegt.

Je nach Pflegestufe gibt es unterschiedliche Leistungen.

Pflegestufe I – Erheblich pflegebedürftig

ist, wer mindestens einmal täglich bei wenigstens zwei Verrichtungen des täglichen Lebens, z. B. beim Ankleiden und Waschen, und mehrmals wöchentlich bei der Führung des Haushaltes (z. B. beim Einkaufen und Putzen der Wohnung), Hilfe benötigt.

Der Bedarf für die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, oder Mobilität) und hauswirtschaftliche Versorgung, muss pro Tag 1,5 Stunden (90 Minuten) betragen. Auf die Grundpflege müssen dabei mehr als 45 Minuten entfallen.

Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftige

benötigen mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten bei den Verrichtungen des täglichen Lebens z. B. beim Aufstehen und Zubettgehen sowie beim Waschen und Essen und mehrmals wöchentlich bei der Führung ihres Haushaltes pflegerische Hilfe. Pro Tag beträgt die Versorgung in der Hauswirtschaft (hauswirtschaftliche Versorgung) und Grundpflege mindestens drei Stunden, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen müssen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftige

benötigen täglich rund um die Uhr, auch nachts, in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens und mehrmals wöchentlich bei der Führung des Haushaltes pflegerische Hilfe.

Mindestens fünf Stunden betragen Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung. Auf die Grundpflege entfallen hier mindestens vier Stunden.

Pflegestufe 0 Hilfen bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

Bei Personen, die zwar einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung haben, der aber nicht das (zeitliche) Ausmaß der Pflegestufe I erreicht, wird umgangssprachlich von der “Pflegestufe 0″ gesprochen. Trotz des vorhandenen Hilfebedarfs erbringt die Pflegeversicherung hier im Allgemeinen keine Leistungen.

Eine Ausnahme besteht aber für Demenzkranke, geistig und psychisch Behinderte, die bereits bei “Pflegestufe 0″ Leistungen zur Deckung eines Bedarfs an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung beanspruchen können.

Für den besonderen Betreuungsbedarf können sie besondere Unterstützung erhalten.

Wann gilt die Härtefallregelung in der Pflegestufe III?

Sind die Voraussetzungen der Pflegestufe III erfüllt und liegt ein außergewöhnlich hoher Pflegeaufwand vor, können Pflegebedürftige die Härtefallregelung in Anspruch nehmen. In diesem Fall gibt es höhere Leistungen.

Für die Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegebedarfs ist bei der Härtefallregelung Voraussetzung:

  • dass die Hilfe bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) mindestens sechs Stunden täglich, davon mindestens dreimal in der Nacht, erforderlich ist, wobei bei Pflegebedürftigen in vollstationären Pflegeeinrichtungen auch die auf Dauer bestehende medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen ist;

oder:

  • dass die Grundpflege für den Pflegebedürftigen auch nachts nur von mehreren Pflegekräften gemeinsam (zeitgleich) erbracht werden kann.

Wenigstens bei einer Verrichtung tagsüber und des Nachts muss dabei neben einer professionellen mindestens eine weitere Pflegeperson tätig werden, die nicht bei einem Pflegedienst beschäftigt sein muss (z. B. Angehörige).

Durch diese Festlegung soll erreicht werden, dass nicht mehrere Pflegekräfte eines Pflegedienstes hier tätig werden müssen.

Zusätzlich muss in jedem Fall ständige Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung erforderlich sein.

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Verfasst von: Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.04.2015 aktualisiert.

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