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MS verstehen: Diagnostik und Therapiemöglichkeiten bei Blasenstörung

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Etwa 80% aller MS-Erkrankten leiden an Störungen der sogenannten ableitenden Harnwege. Durch die bestehenden Entzündungsherde im Zentralen Nervensystem sind auch die Nerven betroffen, die für die Kontrolle der Blasensteuerung verantwortlich sind. Die Art der Störung muss exakt diagnostiziert werden. Lesen Sie hier, wie die Diagnostik verläuft und welche medikamentösen Therapieformen es gibt.

Bei MS gibt es drei Formen der Blasenstörungen. Diese sind bedingt durch die Funktion des Schließmuskels, der Blasenwandmuskulatur und dem Zusammenspiel der beiden. Die Diagnostik und Therapie gehören unbedingt in die Hände eines erfahrenen Urologen. Um Ihre Art der Störung zu identifizieren, liefern die folgenden Untersuchungsmethoden aussagekräftige Ergebnisse.

Diagnostik bei Blasenstörungen:
Mittelstrahlurin

Zuerst wird eine Urinprobe von Ihnen untersucht. Häufig sind Blasenentzündungen die Ursache für Entleerungsstörungen oder verstärken diese enorm. Es wird überprüft, ob sich Keime im Urin befinden und wenn ja, welche es sind. Am aussagekräftigsten ist der Mittelstrahlurin vom Morgen.

Bei Ihrem ersten Toilettengang morgens lassen Sie zunächst etwas Urin in die Toilette ablaufen und fangen dann den Harn in einem entsprechenden Gefäß auf. Das Gefäß muss sauber und keimfrei sein, sonst wird das Ergebnis verfälscht. Lassen Sie sich von Ihrem Urologen ein verschließbares Gefäß für Urinproben mitgeben.

Miktionstagebuch

Miktion bedeutet der Vorgang der Blasenentleerung. Sie werden aufgefordert über einige Tage exakte Aufzeichnungen über Ihre Urinausscheidung im Zusammenhang mit Ihrem Trinkverhalten zu führen. Folgende Fragen sind zu beantworten:

  • Wie lange dauert die Miktion?
  • Wie viel Urin wird ausgeschieden?
  • Wie ist der Ablauf der Miktion (verzögerter Beginn, ungewollter Stopp…)?
  • Wann gehen Sie zur Toilette (tags/nachts/Uhrzeit…)?
  • Verlieren Sie zwischendurch ungewollt Urin?
  • Haben Sie nach der Miktion das Gefühl der nicht richtig entleerten Blase?
  • Was haben Sie wann getrunken (Uhrzeit, Art des Getränkes…)?

Diese Informationen geben Ihrem Arzt Auskunft über die Funktionstüchtigkeit von Sphinkter (Schließmuskel) und Detrusor (Blasenwandmuskulatur).

Restharnbestimmung

Bei dieser Untersuchung wird überprüft, ob sich die Harnblase vollständig entleert. Nach dem Wasserlassen wird mittels Ultraschalluntersuchung oder Einmalkatheterisierung festgestellt, ob sich noch Harn in der Blase befindet. Bei der Katheteruntersuchung wird ein schmales Silikonröhrchen durch die Harnröhre in die Blase geschoben. So kann verbliebener Urin ablaufen. Normalerweise befindet sich nach der Miktion kein oder nur wenige Tropfen Urin in der Blase.

Urodynamische Untersuchungen

Die häufigste Untersuchung ist die Uroflowmetrie. Darunter versteht man die Messung der Urinmenge pro Zeiteinheit (Sekunde). Während des Urinierens bei gut gefüllter Blase in einen Trichter wird gemessen, wie stark der Urinabfluss ist.

Zu Beginn der Miktion ist normalerweise der Urinstrahl stärker und wird im Verlauf schwächer. Es entsteht eine typische Flusskurve. Normal ist eine durchschnittliche Ausscheidung von 20ml/sec. Geringere Ausscheidungsmengen oder starke Schwankungen geben Hinweise auf eine Schwäche des Detrusors oder eine Störung des Sphinkters.

Darüber hinaus gibt es weitere urodynamische Untersuchungen, bei denen der Blaseninnendruck und die Stärke des Schließmuskels gemessen werden kann.

Medikamentöse und sonstige Therapien bei Blasenstörungen

Nach abgeschlossener Diagnostik werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Hier finden Sie genauere Definitionen der unterschiedlichen Blasenstörungen und Hinweise zu nichtmedikamentösen Therapiemöglichkeiten.

Für die jeweilige Form der Blasenstörung stehen unterschiedliche Wirkstoffe zu den benötigten Anwendungsgebieten zur Verfügung.

Medikamente bei Detrusorhyperreflexie – überaktive Blase

Hier werden in erster Linie Anticholinergika verabreicht, Wirkstoffe sind z. B. Oxybutynin, Propiverin oder Tolterodin. Diese verhindern das verfrühte Zusammenziehen der Blasenwandmuskulatur und erhöhen so das Fassungsvolumen. Es kann jedoch zu erheblichen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung, verminderte Tränenproduktion, Störungen der Scharfstellungsfähigkeit des Auges, Pupillenerweiterung, oder Steigerung der Herzfrequenz führen.

Blasenschrittmacher – Neurostimulator

Weiterhin gibt es die Möglichkeit der Implantation eines Blasenschrittmachers. Dieser gibt – ähnlich wie ein Herzschrittmacher – elektrische Impulse ab, die die Tätigkeit der Blasenwandmuskulatur steuern. Die Kosten dafür werden von der Krankenkasse übernommen, wenn zuvor durchgeführte Therapien keinen Erfolg gezeigt haben und eine deutliche Steigerung der Lebensqualität des Betroffenen zu erwarten ist.

Medikamente bei Detrusorhyporeflexie – schlaffe Blase

Bei dieser Störung können Cholinergika wie Mestinon eingesetzt werden. Diese sollen die Kontraktion (das Zusammenziehen) der Blasenwandmuskulatur anregen. Die Wirkung der Medikamente ist bei den Betroffenen sehr unterschiedlich.

Katheterismus bei Detrusorhyperreflexie

Die wirksamste, oft auch einzig mögliche Therapie bei der schlaffen Blase ist das Kathterisieren. Dazu wird in festgelegten Zeitabständen ein schmales Silikonröhrchen durch die Harnröhre in die Blase vorgeschoben und der Urin abgelassen. Dies können Betroffene, die körperlich dazu in der Lage sind, oder deren Angehörige selbst erlernen und durchführen. Ist dies nicht möglich, kann die Katheterisierung durch einen Pflegedienst übernommen werden. Die letzte Möglichkeit ist das Legen eines Dauerkatheters. Darüber wird der Urin dauerhaft abgeleitet.

Medikamente bei Detrusor-Sphinkter-Dysregulation – gestörte Koordination von Blasenwandmuskulatur und Schließmuskel

Bei dieser Form der Blasenstörung steht die Entspannung des Schließmuskels im Vordergrund. Dazu werden Alphablocker wie Phenoxybenzamin oder Prazosin eingesetzt. Diese steuern Rezeptoren am Blasenschließmuskel und wirken so der erhöhten Spannung entgegen.

Häufig wird das Zusammenspiel von Detrusor und Sphinkter durch Spastiken in der Beckenbodenmuskulatur negativ beeinflusst. Um diese Spastiken zu lösen, werden Antispastika wie Butylscopolamin oder Baclofen verordnet. Verbleiben hohe Restharnmengen und lässt sich die Koordination der Muskeln auch durch Beckenbodenentspannungsübungen oder Fußreflexzonenmassage nicht verbessern, muss die Blase eventuell in regelmäßigen Zeitabständen katheterisiert werden.

Mögliche Nebenwirkungen der Alpha-Blocker sind Müdigkeit oder Schwindel. Dies kann bei bestehender Fatigue bei MS problematisch sein.

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