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Multiple Sklerose: Was tun bei unangenehmen Blasenstörungen?

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Im Verlauf einer MS-Erkrankung leiden etwa 80% der Betroffenen unter Störungen der Blasenentleerung. Je nach Sitz der geschädigten Nervenzellen treten unterschiedliche Formen der Blasenstörungen auf. Besonders während MS-Schüben kommt es zum Anstieg der Problematik. Lesen Sie hier, welche Formen der Entleerungsstörungen auftreten können und was Sie dagegen unternehmen können.

Blasenstörungen

Etwa 80% aller MS-Kranken leiden an Störungen der Blase. Häufig ist eine Blasenstörung eines der ersten Symptome, in manchen Fällen sogar das einzige Symptom einer MS. Es gibt unterschiedliche Formen der Störungen der Urinausscheidung. In jedem Fall steht eine optimale Schub- und Langzeittherapie im Vordergrund als Grundlage der Symptomkontrolle. Bei akuten MS-Schüben verstärken sich bestehende Symptome, die nach Abklingen des Schubes zurückgehen.

Welche Ursachen haben Blasenstörungen bei MS?

Die Nerven für die Kontrolle der Blasenfunktion sind sehr lang. Dadurch bieten sie eine große Angriffsfläche für die Entzündungsprozesse bei einer MS. Je nach Bereich der Schädigung treten unterschiedliche Störungen auf. Auch besteht ein Zusammenhang zwischen dem Schweregrad von Spastiken und dem Ausmaß der Blasenstörung. Deshalb wird vermutet, dass besonders bei Schädigung des Rückenmarks Blasenstörungen auftreten.

Es muss bei bestehender Inkontinenz (Unfähigkeit, Urin zu halten), ständigem Harndrang, Nachträufeln des Urins nach dem Toilettengang oder Schmerzen beim Wasserlassen in jedem Fall abgeklärt werden, ob eine Infektion der Harnwege vorliegt. Diese muss zuerst behandelt werden. Bestehen die Symptome weiter, erfolgt eine genauere Diagnostik.

Welche Arten von Blasenstörungen bei MS gibt es?

Je nach geschädigtem Bereich der Nervenzellen können 3 Formen von Problemen mit der Urinausscheidung auftreten: Schwierigkeiten beim Halten des Urins, Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase und eine Mischform aus beiden Störungen. Um die Schwierigkeiten beim Wasserlassen entsprechend therapieren zu können, muss die Form der Störung bekannt sein.

1. Überaktive Blase – Detrusor-Hyperreflexie

Die Urinausscheidung wird gesteuert durch das Zusammenziehen des Detrusors, des Blasenwandmuskels. Ist der Detrusor durch die MS überreizt, versucht er laufend, Urin aus der Blase zu pressen. Die Überreizung äußert sich in einer dauerhaften Verhärtung der Blasenwand oder in übermäßig häufigem Zusammenziehen des Muskels.

Das Fassungsvermögen der Blase sinkt. Dadurch haben Betroffene ständig das Gefühl des Harndrangs, können aber nur kleine Mengen Urin entleeren. Kann der Sphinkter dem Druck des Detrusors nicht standhalten, kommt es zum ungewollten Verlust von Urin.

2. Schlaffe Blase – Detrusor-Hyporeflexie

Diese Form der Blasenstörung ist das Gegenteil der überaktiven Blase. Der Detrusor ist erschlafft und zieht sich nicht mehr bei gefüllter Harnblase zusammen. Der Urin kann nicht richtig ausgeschieden werden. Es kommt zum ständigen Verbleib von Restharn in der Blase. Beim Husten oder Niesen wird Urin aus der Blase gepresst, Inkontinenz tritt auf.

Besonders bei Frauen steigt das Risiko von Infektionen der Harnwege, da After und Blasenausgang dicht beieinander liegen. Darmbakterien können durch den Blasenausgang in die Harnblase gelangen. Der Restharn bildet einen optimalen Nährboden für Bakterien.

Bei ständigem Verbleib von Restharn in der Blase können sich diese Entzündungen häufen, chronisch werden und die Nieren unwiederbringlich schädigen. Im fortgeschrittenen Stadium können starke Spastiken in den Beinen bis in die Beckenbodenmuskulatur und den Sphinkter ausstrahlen. Bei Erschlaffung des Detrusors wird so die Entleerung der Blase fast unmöglich.

3. Störung des Zusammenspiels von Schließmuskel und Blasenwandmuskulatur – Detrusor-Sphinkter-Dyssenergie

Bei dieser Form der Blasenstörung funktioniert die Koordination von Austreiben des Urins aus der Blase durch den Detrusor und Öffnen des Schließmuskels nicht. Es kann passieren, dass beim Wasserlassen der Urinstrahl plötzlich stoppt oder nur geringe Mengen an Urin ausgeschieden werden können. Auch hier kommt es zu Bildung von Restharn und ungewolltem Harnabgang und somit zu einem erhöhten Infektionsrisiko der Harnwege von Nieren bis Blase.

Was können Sie tun bei Blasenstörungen?

Suchen Sie einen Facharzt auf! Blasenstörungen bei MS gehören in die Hände eines Urologen.

Medikamentöse Therapiemöglichkeiten

Zunächst muss der Verlauf der MS-Erkrankung stabilisiert werden. Gerade in Schubphasen verschlechtern sich alle Symptome. Für die weitere Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkungsweise sehr unterscheiden. Auch das Selbstkatheterisieren kann zur Therapie der Blasenstörung gehören. Diese notwendige, für Sie passende Therapieform wird von Ihrem Urologen verordnet, wenn die Form der Blasenstörung diagnostiziert wurde.

Nichtmedikamentöse Therapie, Allgemeinmaßnahmen

Es gibt neben der vom Arzt empfohlenen Therapie noch eine Reihe von Allgemeinmaßnahmen, mit denen Sie Ihre Blasenstörung bei MS positiv beeinflussen können.

  1. Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge!
    Sie sollten etwa 2 l Flüssigkeit täglich zu sich nehmen. Viele Betroffene neigen eher dazu, weniger zu trinken, um nicht so häufig zur Toilette gehen zu müssen. So stiegt aber die Gefahr einer Blaseninfektion, die wiederum zu Schmerzen und noch häufigeren Toilettengängen führt.
  2. Machen Sie Ihren Urin sauer!
    Bakterien gedeihen besser im basischen Milieu (pH-wert>7). Sinkt der pH-Wert, sinkt auch die Keimzahl in der Blase. Dabei hilft Ihnen Vitamin C, Cranberry- oder Preißelbeersaft und Blasentee aus der Apotheke.
  3. Trainieren Sie Ihre Blase
    Welche Art des Trainings für Sie sinnvoll ist, wird Ihnen Ihr Urologe sagen. Es gibt die Form des Miktionstrainings. Dieses hat das Ziel, das Fassungsvermögen der Blase zu vergrößern, um eine altersgerechte Füllungskapazität zu erreichen. Dabei gehen Sie – unabhängig vom Harndrang – zu festgelegten Zeiten zur Toilette. Langsam werden die Zeiten zwischen den Blasenentleerungen verlängert.
    Die andere Form ist das Toilettentraining. Dies ist eine passive Form des Blasentrainings. Sie trainieren nicht Ihre Blase, sondern passen Ihre Toilettengänge an Ihre Blasenkapazität an. Im Vorfeld wird eine Art Tagebuch geführt, in dem Sie notieren, wann Sie zur Toilette gehen, wie viel Urin Sie entleeren und wie viel und was Sie getrunken haben. Ihr Urologe wird dies mit Ihnen gemeinsam auswerten und einen Rhythmus empfehlen.
  4. Pflegen Sie Ihre Haut!
    Die Haut im Intimbereich ist bei Inkontinenz einer Menge Belastungen ausgesetzt. Ständige Feuchtigkeit von außen und gleichzeitiges Austrocknen der Haut bieten einen idealen Nährboden für Keimbesiedlung. Waschen Sie sich am besten nur mit klarem Wasser. Ist der Zusatz einer Waschlotion erforderlich, verwenden Sie eine pH-neutrale Waschlotion (pH-Wert = 7) und spülen gut mit klarem Wasser nach. Ein Bidet im Badezimmer erleichtert die persönliche Intimpflege. Meiden Sie Seife oder Intim-Deos. Waschen Sie sich einmal wöchentlich mit Essigwasser (2-3 Esslöffel Obstessig auf 500ml warmes Wasser). Pflegen Sie Ihre Haut mit einer Wasser-in-Öl-Emulsion. Lassen Sie sich bei Bedarf in Ihrer Apotheke beraten.

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