Nässende, juckende, entzündete Hautfalten – Pflegetipps bei Intertrigo

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Pflegebedürftige, die sich selbst nicht gut bewegen können, leiden häufig unter Intertrigo. Dabei handelt es sich um Wundsein in Hautfalten, die unangenehm nässen, jucken oder brennen. Lesen Sie hier Pflegetipps, wie Sie diese verhindern bzw. beseitigen können.

Welche Bereiche sind gefährdet?

Sämtliche Körperstellen, an denen "Haut auf Haut" liegt, sind intertrigogefährdet. Gefährdet sind auch Pflegebedürftige mit Gelenkversteifungen, die zum Beispiel eine Hand nicht mehr öffnen können oder einen Arm sehr eng am Körper halten.

Hier einige Beispiele:

  • unter den Brüsten, in den Bauchfalten, im Bauchnabel
  • in der Leiste, an den Innenseiten der Oberschenkel, in der Gesäßfalte
  • in den Zwischenräumen der Finger & Zehen
  • in den Achselhöhlen, in den Kniekehlen
  • hinter den Ohren
  • am Hals bzw. in der Kinnfalte (bei Adipositas)
  • in sämtlichen Hautfalten, die durch Schwellungen oder Ödeme entstehen

Wie bemerkt man Intertrigo?

Meistens klagen Betroffene über Jucken oder Brennen in den betroffenen Bereichen. Oft ist zunächst nicht viel zu sehen, erst wenn man die Hautfalten auseinanderzieht oder die Gliedmaßen abspreizt, bemerkt man die Rötungen in den Falten.

Bei längerem Bestehen breitet sich die Rötung aus, die umgebende Haut ist häufig geschwollen, nässt und glänzt. Der Juckreiz nimmt zu. Oft kommt eine Pilzinfektion der Haut hinzu. Die Areale, von denen die Intertrigo ausgeht, sind weißlich belegt, schmierig und riechen unangenehm.

Welche besonderen Risikofaktoren gibt es?

  • übermäßiges Schwitzen z. B. bei Adipositas, Diabetes mellitus, Fieber, Schilddrüsenüberfunktion, Schlaganfall, M. Parkinson
  • Inkontinenz
    - Urin erzeugt ein feuchtwarmes Milieu, welches Bakterien- und Pilzvermehrung fördert
    - Inhaltsstoffe des Urins (Ammoniak, Harnstoff) schädigen die Haut
    - Stuhl, besonders Durchfall, schädigt die Haut durch Verdauungsenzyme
    - luftundurchlässige Inkontinenzvorlagen lassen wenig Luft an die Haut, so dass Feuchtigkeit nicht verdunsten kann
  • Falsche Hautpflege
    - chem. Substanzen in Pflegemitteln trocknen die Haut zu stark aus, greifen den Säureschutzmantel an oder führen zu allergischen Reaktionen als Ausgangsbasis für Infektionen
    - nicht ausreichendes Abtrocknen von Hautfalten, Finger- oder Zehenzwischenräumen führt zu "feuchten Kammern"
    -
    übermäßiges Auftragen von stark wasserhaltigen Cremes oder Lotionen (diese können nicht in die Haut einziehen, verbleiben in den Hautfalten, "matschen" und nässen)
  • Bettlägerigkeit, insbesondere in Zusammenhang mit Spastiken, Lähmungen, Kontrakturen (Gelenkversteifungen) und geschwächtem Allgemeinzustand
    - Durch die reduzierte Bewegung gelangt wenig Luft an die oben genannten Körperregionen. Es kommt dort zu vermehrtem Schwitzen und infolge dessen ebenfalls zur Ausbildung "feuchter Kammern"

Pflegemaßnahmen, falls es doch dazu gekommen ist

Panthenolhaltige Cremes oder Salben pflegen die Haut und stärken deren Widerstandsfähigkeit. Bei Pilzinfektionen sollten Cremes oder Salben mit Clotrimazol (z. B. Canesten oder Fungizid) oder mit Nystatin (z. B. Multilind) verwendet werden. Fragen Sie in der Apotheke nach, dort werden Sie beraten.

Weniger geeignet sind Zinksalben. Diese schützen zwar die Haut vor Feuchtigkeit, hinterlassen aber einen fest haftenden weißen Film auf der Haut, der sich schlecht entfernen lässt. Dadurch kann die Haut darunter schlecht beurteilt werden. Werden Reste der Zinksalbe entfernt, wird die Haut durch das Reiben noch mehr gereizt, die Entstehung bzw. Ausbreitung von Intertrigo wird begünstigt.

Wie können Sie vorbeugen?

  • Versuchen Sie, die Beweglichkeit des Pflegebedürftigen weitmöglichst zu erhalten und fördern (zu Eigenbewegungen auffordern und dabei unterstützen, Stunden im Bett – wenn möglich – reduzieren)
  • Hautbelüftung fördern durch
    - Freilagerung
    - luftdurchlässige, temperaturangemessene Bekleidung
    - starkes Schwitzen vermeiden
    - häufige Kontrolle auf Einnässen
    - trockene Kompressen in Hautfalten, zwischen die Finger, Zehen, Achselhöhlen… einlegen (auch Herrentaschentücher aus Baumwolle eignen sich sehr gut dafür)
    - Hautfalten gut trocken halten
  • Hautpflege optimieren:
    - milde Waschlotion oder Duschgel verwenden
    - paraffinhaltige Hautpflegemittel (Melkfett) vermeiden, sie wirken porenverstopfend
    - panthenolhaltige Salben eignen sich sehr gut zur Hautpflege
    - Cremes und Salben so dünn auftragen, dass sie gut einziehen können und nicht auf der Haut verbleiben
    - regelmäßige Kontrollen gefährdeter Bereiche und enger Hautfalten

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Verfasst von:

Aktualisiert am: 20.04.2015

Schlagwörter:

Kategorien: Praxis der Pflege

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