Pflegenoten: Bewertungssystematik

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Die Pflegenoten allein sind für den nicht-professionellen Betrachter ein erster Hinweis auf die Qualität der durch Pflegeheime angebotenen Leistungen. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, welche Bereiche, in welcher Intensität betrachtet und bewertet werden.

Grundlegendes zur Bildung der Pflegenoten
Zur einheitlichen Bewertung der Prüfergebnisse haben sich der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, die Sozialhilfeträger und die Vertreter der Leistungserbringer für eine Bewertungssystematik nach Noten entschieden. Noten kennt jeder aus seiner eigenen (Schul-)Erfahrung. Jeder weiß, was eine Eins oder eine Fünf bedeutet.

Basis für die Noten sind die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) sowie gleichwertige Prüfungen. Diese Noten setzen sich aus vielen Einzelbewertungen zusammen, die im Rahmen der gesetzlichen Überprüfung der Pflegeheime und -dienste durch den MDK ermittelt werden. Die Gesamtnote wird aus bestimmten Einzelkriterien gebildet, die mehreren Qualitätsbereichen zugeordnet sind. Den Schwerpunkt bildet dabei der medizinisch-pflegerische Bereich.

Die Bewertungssystemtatik zur Bildung der Pflegenoten im stationären Pflegebereich
Die Gesamtnote in der stationären Pflege wird aus 64 Einzelkriterien gebildet, die vier Qualitätsbereichen zugeordnet sind:

  • Pflege und medizinische Betreuung (35 Kriterien)
  • Umgang mit demenzkranken Bewohnern (10 Kriterien)
  • Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung (10 Kriterien)
  • Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene (9 Kriterien)

 

Jedes Kriterium wird mit Punkten auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Pro Bereich wird aus diesen Punkten ein Mittelwert gebildet. Dieser ergibt eine bestimmte Note. Die Gesamtnote wird ermittelt, indem der Mittelwert der Punkte für die Kriterien 1 bis 64 errechnet und diesem eine Note zugeordnet wird.

Der Qualitätsbereich “Befragung der Kunden” (18 Kriterien) fließt nicht in die Gesamtnote ein. Er wird separat als Bereichsergebnis ausgewiesen. Um die Gesamtnote richtig einordnen zu können, wird hierzu auch ein Landesdurchschnitt in dem Bundesland ermittelt.

Die Bewertungssystematik zur Bildung der Pflegenoten im stationären Pflegebereich im Detail

  1. Pflege und medizinische Versorgung (35 Kriterien)
    1. Ist bei Bedarf eine aktive Kommunikation mit dem Arzt nachvollziehbar?
    2. Entspricht die Durchführung der behandlungspflegerischen Maßnahmen den ärztlichen Anordnungen?
    3. Entspricht die Medikamentenversorgung den ärztlichen Anordnungen?
    4. Ist der Umgang mit Medikamenten sachgerecht?
    5. Sind Kompressionsstrümpfe/-verbände sachgerecht angelegt?
    6. Wird das individuelle Dekubitusrisiko erfasst?
    7. Werden erforderliche Dekubitusprophylaxen durchgeführt?
    8. Sind Ort und Zeitpunkt der Entstehung der chronischen Wunde/des Dekubitus nachvollziehbar?
    9. Erfolgt eine differenzierte Dokumentation bei chronischen Wunden oder Dekubitus (aktuell, Verlauf nachvollziehbar, Größe, Lage, Tiefe)?
    10. Basieren die Maßnahmen zur Behandlung der chronischen Wunden oder des Dekubitus auf dem aktuellen Stand des Wissens?
    11. Werden die Nachweise zur Behandlung chronischer Wunden oder des Dekubitus (z. B. Wunddokumentation) ausgewertet und die Maßnahmen ggf. angepasst?
    12. Erhalten Bewohner mit chronischen Schmerzen die verordneten Medikamente?
    13. Werden individuelle Ernährungsressourcen und Risiken erfasst?
    14. Werden erforderliche Maßnahmen bei Einschränkungen der selbstständigen Nahrungsversorgung durchgeführt?
    15. Ist der Ernährungszustand angemessen im Rahmen der Einwirkungsmöglichkeiten der Einrichtung?
    16. Werden individuelle Ressourcen und Risiken bei der Flüssigkeitsversorgung erfasst?
    17. Werden erforderliche Maßnahmen bei Einschränkungen der selbstständigen Flüssigkeitsversorgung durchgeführt?
    18. Ist die Flüssigkeitsversorgung angemessen im Rahmen der Einwirkungsmöglichkeiten der Einrichtung?
    19. Wird bei Bewohnern mit Ernährungssonden der Geschmackssinn angeregt?
    20. Erfolgt eine systematische Schmerzeinschätzung?
    21. Kooperiert das Pflegeheim bei Schmerzpatienten eng mit dem behandelnden Arzt?
    22. Werden bei Bewohnern mit Inkontinenz bzw. mit Blasenkatheter die individuellen Ressourcen und Risiken erfasst?
    23. Werden bei Bewohnern mit Inkontinenz bzw. mit Blasenkatheter die erforderlichen Maßnahmen durchgeführt?
    24. Wird das individuelle Sturzrisiko erfasst?
    25. Werden Sturzereignisse dokumentiert?
    26. Werden erforderliche Prophylaxen gegen Stürze durchgeführt?
    27. Wird das individuelle Kontrakturrisiko erfasst?
    28. Werden die erforderlichen Kontrakturprophylaxen durchgeführt?
    29. Liegen bei freiheitseinschränkenden Maßnahmen Einwilligungen oder Genehmigungen vor?
    30. Wird die Notwendigkeit der freiheitseinschränkenden Maßnahmen regelmäßig überprüft?
    31. Wird die erforderliche Körperpflege den Bedürfnissen und Gewohnheiten des Bewohners entsprechend durchgeführt?
    32. Wird die erforderliche Mund- und Zahnpflege den Bedürfnissen und Gewohn­heiten des Bewohners entsprechend durchgeführt?
    33. Wird die Pflege im Regelfall von denselben Pflegekräften durchgeführt?
    34. Werden die Mitarbeiter/innen regelmäßig in Erster Hilfe und Notfallmaßnahmen geschult?
    35. Existieren schriftliche Verfahrensanweisungen zu Erster Hilfe und Verhalten in Notfällen?
  2. Umgang mit demenzkranken Bewohnern (10 Kriterien)
    1. Wird bei Bewohnern mit Demenz die Biografie des Heimbewohners beachtet und bei der Tagesgestaltung berücksichtigt?
    2. Werden bei Bewohnern mit Demenz Angehörige und Bezugspersonen in die Planung der Pflege einbezogen?
    3. Wird bei Bewohnern mit Demenz die Selbstbestimmung in der Pflegeplanung berücksichtigt?
    4. Wird das Wohlbefinden von Bewohnern mit Demenz im Pflegealltag ermittelt und dokumentiert und werden daraus Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet?
    5. Sind zielgruppengerechte Bewegungs- und Aufenthaltsflächen vorhanden (auch nachts)?
    6. Sind gesicherte Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien vorhanden?
    7. Gibt es identifikationserleichternde Milieugestaltung in Zimmern und Aufent­haltsräumen?
    8. Wird mit individuellen Orientierungshilfen, z. B. Fotos, gearbeitet?
    9. Werden dem Bewohner geeignete Angebote gemacht, z. B. zur Bewegung, Kommunikation oder zur Wahrnehmung?
    10. Gibt es ein bedarfsgerechtes Speisenangebot für Bewohner mit Demenz?
  3. Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung (10 Kriterien)
    1. Werden im Rahmen der sozialen Betreuung Gruppenangebote gemacht?
    2. Werden im Rahmen der sozialen Betreuung Einzelangebote gemacht?
    3. Veranstaltet das Pflegeheim jahreszeitliche Feste?
    4. Gibt es Aktivitäten zur Kontaktaufnahme/Kontaktpflege mit dem örtlichen Gemeinwesen?
    5. Gibt es Maßnahmen zur Kontaktpflege zu den Angehörigen?
    6. Sind die Angebote der sozialen Betreuung auf die Struktur und Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet?
    7. Gibt es Hilfestellungen zur Eingewöhnung in die Pflegeeinrichtung (z. B. Bezugspersonen, Unterstützung bei der Orientierung, Integrationsgespräch nach 6 Wochen)?
    8. Wird die Eingewöhnungsphase systematisch ausgewertet?
    9. Gibt es ein Angebot zur Sterbebegleitung auf der Basis eines Konzeptes?
    10. Verfügt die Pflegeeinrichtung über ein Beschwerdemanagement?
  4. Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene (9 Kriterien)
    1. Ist die Gestaltung der Bewohnerzimmer z. B. mit eigenen Möbeln, persönlichen Gegenständen und Erinnerungsstücken sowie die Entscheidung über ihre Platzierung möglich?
    2. Wirken die Bewohner an der Gestaltung der Gemeinschaftsräume mit?
    3. Ist der Gesamteindruck der Einrichtung im Hinblick auf Sauberkeit und Hygiene gut? (z. B. optische Sauberkeit, Ordnung, Geruch)
    4. Kann der Zeitpunkt des Essens im Rahmen bestimmter Zeitkorridore frei gewählt werden?
    5. Wird Diätkost, z. B. für Menschen mit Diabetes, angeboten?
    6. Ist die Darbietung von Speisen und Getränken an den individuellen Fähigkeiten der Bewohner orientiert (z. B. wird die Nahrung nur bei tatsächlicher Notwen­digkeit klein geschnitten oder als passierte Kost serviert)?
    7. Wird der Speiseplan in gut lesbarer Form bekannt gegeben?
    8. Orientieren die Portionsgrößen sich an den individuellen Wünschen der Bewohner?
    9. Werden Speisen und Getränke in für die Bewohner angenehmen Räumlich­keiten und entspannter Atmosphäre angeboten?
  5. Befragung der Bewohner (18 Kriterien)
    1. Wird mit Ihnen der Zeitpunkt von Pflege- und Betreuungsmaßnahmen abge­stimmt?
    2. Entscheiden Sie, ob Ihre Zimmertür offen oder geschlossen gehalten wird?
    3. Werden Sie von den Mitarbeitern motiviert, sich teilweise oder ganz selber zu waschen?
    4. Sorgen die Mitarbeiter dafür, dass Ihnen z. B. beim Waschen außer der Pflegekraft niemand zusehen kann?
    5. Hat sich für Sie etwas zum Positiven geändert, wenn Sie sich beschwert haben?
    6. Entspricht die Hausreinigung Ihren Erwartungen?
    7. Können Sie beim Mittagessen zwischen verschiedenen Gerichten auswählen?
    8. Sind die Mitarbeiter höflich und freundlich?
    9. Nehmen sich die Pflegenden ausreichend Zeit für Sie?
    10. Fragen die Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung Sie, welche Kleidung Sie anzie­hen möchten?
    11. Schmeckt Ihnen das Essen in der Regel?
    12. Sind Sie mit den Essenszeiten zufrieden?
    13. Bekommen Sie Ihrer Meinung nach jederzeit ausreichend zuzahlungsfrei zu trinken angeboten?
    14. Entsprechen die sozialen und kulturellen Angebote Ihren Interessen?
    15. Wird Ihnen die Teilnahme an Beschäftigungsangeboten ermöglicht?
    16. Werden Ihnen Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien angeboten?
    17. Können Sie jederzeit Besuch empfangen?
    18. Erhalten Sie die zum Waschen abgegebene Wäsche zeitnah, vollständig und in einwandfreiem Zustand aus der Wäscherei zurück?

 

Fazit
Die Bewertungssystemtatik umfasst einen umfangreichen, aus 82 Items bestehenden Fragekatalog, aus dem die Pflegenoten gebildet werden. Anhand dieser Pflegenoten soll es potenziellen Kunden ermöglicht werden, schnell die Qualität des jeweiligen Leistungsanbieters beurteilen zu können. Es ist hilfreich, die Bewertungssystematik zu verstehen, um die Pflegenoten richtig interpretieren zu können. Nur ein tiefer gehendes Verständnis für die Zusammenhänge im Rahmen der Bildung der Pflegenoten bewahrt den Kunden vor Fehlinterpretationen. Eine gute Gesamtnote täuscht zu leicht über ein schlechtes Ergebnis in einzelnen Bereichen hinweg.

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Verfasst von: Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.04.2015 aktualisiert.

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Kategorien: Heimplatzsuche

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