Pflegeversicherung: Leistungen der Pflegekasse bei häuslicher Pflege

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Seit 1. Januar 1995 gibt es hierzulande die gesetzliche Pflegeversicherung. In diesem Beitrag lesen Sie, welche Leistungen die gesetzliche Pflegeversicherung bei häuslicher Pflege durch Angehörige und Freunde sowie ambulante Pflegedienste erbringt.

Bei der häuslichen Pflege hat der Pflegebedürftige die Wahl zwischen der Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst (Fachkraft, Sachleistungen) oder Pflege durch Verwandte oder Freunde. In diesen Fällen wird ein Pflegegeld bezahlt (Geldleistungen).

Auch eine Kombination von Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst und Pflegegeld ist möglich. Wenn der Pflegebedürftige die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst nur zum Teil in Anspruch nimmt, zahlt die Pflegekasse daneben ein anteiliges Pflegegeld.

Der Umfang der Kostenübernahme bei der ambulanten Betreuung bzw. die Höhe des Pflegegeldes ist abhängig vom Hilfsbedarf, also der jeweiligen Pflegestufe.

Welche Leistungen erbringt die Pflegekasse bei häuslicher Pflege durch Angehörige und Freunde (Pflegegeld)?

Die Leistungsansprüche der Versicherten an die Pflegeversicherung betragen seit 1. Januar 2015 bei der häuslichen Pflege durch Angehörige und Freunde:

  • 123 Euro bei keiner vorhandenen Pflegestufe, aber mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz
  • 244 Euro in der Pflegestufe I (mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz 316 Euro),
  • 458 Euro in der Pflegestufe II (mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz 545 Euro) oder
  • 728 Euro in der Pflegestufe III monatlich.

Achtung: Wenn der Pflegebedürftige von Angehörigen oder Freunden gepflegt wird, kann er selbst entscheiden, ob er das Pflegegeld behält oder an die Helfer verteilt. Die Helfer selbst haben keinen direkten Anspruch an die Pflegekasse.

Anspruch auf Urlaubsvertretung (Verhinderungspflege)

Wenn Angehörige oder Freunde wegen Urlaub oder Krankheit für die Pflege ausfallen, zahlt die Pflegekasse bis maximal 1.612 Euro für sechsWochen im Jahr eine Pflegevertretung. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vorher bereits mindestens sechs Monate gepflegt hat.

Welche Leistungen übernimmt die Pflegekasse bei häuslicher Pflege durch professionelle Pflegedienste (ambulante Sachleistungsbeträge)?

Die Hilfeleistungen können auch von professionellen Pflegediensten ausgeführt werden, deren Einsatz von den Pflegekassen als sogenannte Pflegesachleistung (ambulante Sachleistungsbezüge) bezahlt wird.

Bei Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst stehen Pflegebedürftigen seit 1. Januar 2015 231 Euro bei keiner vorhandenen Pflegestufe, aber mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

  • in der Pflegestufe I 468 Euro (689 Euro mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz),
  • in der Pflegestufe II 1.144 Euro (1298 Euro mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz) und
  • in der Pflegestufe III 1.612 Euro monatlich zu.

Der Satz für besonders schwer pflegebedürftige Menschen (Härtefälle) beträgt 1.995 Euro monatlich.

Achtung: Neben den Sozialstationen der Wohlfahrtverbände gibt es sogenannte private Pflegedienste. Bei den Sachleistungen können allerdings nur Unternehmen mit einer Kassenzulassung gewählt werden. Existiert sogar ein Vertrag mit der Pflegekasse, übernimmt diese 100 Prozent der Kosten. Besteht dieser Vertrag nicht, gibt es nur bis zu 80 Prozent.

Tipp: Wenn Sie einen privaten Pflegedienst beauftragen, sollten Sie sich vorher immer bei der Pflegekasse erkundigen und vor der Kostenzusage der Pflegekasse auf gar keinen Fall einen Vertrag bei einem privaten Pflegedienst unterschreiben.

Achtung: Der Bezug von Pflegegeld kann auch mit der Inanspruchnahme von Sachleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst kombiniert werden. Das Pflegegeld vermindert sich in diesem Fall anteilig um den Wert der in Anspruch genommenen Sachleistungen.

Beispiel: Ein Pflegebedürftiger in Pflegestufe I nimmt Sachleistungen durch einen Pflegedienst im Wert von 234 Euro in Anspruch. Der ihm zustehende Höchstbetrag beläuft sich auf 468 Euro. Er hat somit die Sachleistungen zu 50 Prozent ausgeschöpft. Vom Pflegegeld in Höhe von 244 Euro stehen ihm also ebenfalls noch 50 Prozent zu, also 122 Euro.

Die Leistungen bei teilstationärer Pflege

Verschlechtert sich der Zustand des Pflegebedürftigen kurzfristig oder kann die Pflegeperson die Pflege nicht mehr im bisherigen Umfang gewähren, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege. Das gilt auch, wenn die pflegende Person entlastet werden muss. In Stufe I werden Aufwendungen bis 468 Euro, in Stufe II bis 1.144 Euro und Stufe III bis 1.612 Euro monatlich bezahlt.

Leistungen bei Kurzzeitpflege

Ist zeitweise die Pflege zu Hause nicht möglich, z. B. im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung des Pflegebedürftigen, trägt die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für eine kurzfristige stationäre Unterbringung, und zwar bis zu 6 Wochen im Jahr, maximal 1.612 Euro.

Leistungen beim pflegegerechten Umbau der Wohnung

Finanzielle Hilfe gibt es aber auch beim pflegerechten Umbau der Wohnung, z. B. bei der Verbreiterung der Türen oder beim Einbau eines Treppenlifts. Für derartige Maßnahmen zahlen die Pflegekassen einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro. Eine ärztliche Verordnung ist dafür nicht erforderlich.

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Verfasst von: Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 12.01.2015 aktualisiert.

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