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Plötzlich Pflegefall: So geht’s mit der Familienpflegezeit

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Die Familienpflegezeit gibt Arbeitnehmer(innen) die Möglichkeit, ihre Stundenzahl zu reduzieren, um parallel zur Pflege von Angehörigen weiterhin erwerbstätig sein zu können. In diesem Beitrag lesen Sie, was die Familienpflegezeit ist und wie Sie als pflegender Angehöriger davon profitieren können.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Derzeit beziehen ca. 2,4 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Mehr als 1,6 Millionen von ihnen werden zu Hause von ihren Angehörigen bzw. durch ambulante Pflegedienste versorgt. Die Mehrheit der Berufstätigen möchte Angehörige so weit wie möglich selbst betreuen. Auch viele ältere Pflegebedürftige wollen zu Hause in den eigenen vier Wänden von Familienangehörigen gepflegt werden. Mit dem neuen Familienpflegegesetz kann der Spagat zwischen Pflege und Beruf gelingen.

Welche Möglichkeiten haben pflegende Angehörige bisher schon, um Beruf und Pflege besser zu vereinbaren?

Zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege haben Arbeitnehmer(rinnen) nach dem Pflegezeitgesetz bereits seit 1. Juli 2008 die Möglichkeit, auf unterschiedliche Pflegesituationen zu reagieren.

Bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung

Wenn Ihr Angehöriger ganz plötzlich pflegebedürftig wird, haben Sie nach § 2 Pflegezeitgesetz das Recht, der Arbeit bis zu zehn Arbeitstage fernzubleiben, um die Versorgung von Pflegebedürftigen sicherzustellen und / oder die entsprechende Hilfe zu organisieren. Die Arbeitsverhinderung müssen Sie Ihrem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen. Als Nachweis genügt eine ärztliche Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen.

Wichtig: Diese Regelungen gelten auch für kleine Betriebe, unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten.

Anspruch auf Pflegezeit

Zur längeren Pflege von Angehörigen in häuslicher Umgebung können Sie sich nach § 3 und 4 Pflegezeitgesetz bis zu sechs Monate ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Dies müssen Sie Ihrem Arbeitgeber spätestens zehn Tage vor Beginn der Pflegezeit mitteilen. Gleichzeitig müssen Sie ihm sagen, für welchen Zeitraum und in welchem Umfang Sie eine Freistellung in Anspruch nehmen wollen. Die Pflegebedürftigkeit (mindestens Pflegestufe 1) Ihres Angehörigen müssen Sie Ihrem Arbeitgeber durch eine Bescheinigung nachgewiesen.

Wichtig: Während der Pflegezeit bekommen Sie kein Gehalt, sind aber weiterhin sozialversichert und haben einen Sonderkündigungsschutz.

Achtung: Alle Regelungen gelten nur für Betriebe mit mindestens 15 Beschäftigten.

Was bringt die neue Familienpflegezeit?

Oft reichen die im Pflegezeitgesetz vorgesehenen Regelungen aber nicht aus. Wer Angehörige über die im Pflegezeitgesetz vorgesehenen sechs Monate hinaus versorgen muss, benötigt andere Freistellungsregelungen. Deshalb hat der Gesetzgeber die Familienpflegezeit eingeführt.

Die Familienpflegezeit sieht Folgendes vor:

  • Beschäftigte, die eine Familienangehörige oder einen Familienangehörigen pflegen wollen, können ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden reduzieren.
  • Das Gehalt reduziert sich dabei auf 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens.

Bei Verringerung der Arbeitszeit von 100 auf 50 Prozent erhalten die Beschäftigten weiterhin 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Dabei handelt es sich praktisch um einen Gehaltsvorschuss, der später wieder abgearbeitet werden muss. Einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit gibt es nicht.

Beispiel: Wenn Sie Ihre Arbeitszeit z. B. von 100 auf 50 Prozent verringern, um Angehörige zu pflegen, erhalten Sie ein Gehalt von 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Zum Ausgleich müssen Sie später wieder voll arbeiten, bekommen dann aber weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts – so lange, bis der Vorschuss nachgearbeitet ist.

Wichtig: Während der Familienpflegezeit besteht ein besonderer Kündigungsschutz. Ist die Pflegezeit beendet und arbeiten Sie wieder in Vollzeit, bleibt das Gehalt bei 75 Prozent bis der Vorschuss abgearbeitet worden ist.

Wichtig: Während der Familienpflegezeit besteht ein besonderer Kündigungsschutz. Das gilt sowohl für die Pflegephase als auch für die Nachpflegephase.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen?

Zusicherung des Arbeitgebers

Wenn Sie die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen möchten, benötigen Sie die Zustimmung Ihres Arbeitgebers. Denn der muss einverstanden sein. Einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit haben Sie nicht.

Absicherung für Beschäftige und Arbeitgeber

Die Familienpflegezeit ist eine freiwillige und individuelle Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Beide Seiten können sich wie folgt absichern:

  • Mit Unterstützung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln allen Arbeitgebern die Möglichkeit eines zinslosen Darlehens im Umfang der Lohnvorauszahlung und schließt dadurch Einschränkungen der Liquidität aus.
  • Pflegende Beschäftigte können sich entweder über eine eigene Familienpflegezeitversicherung absichern oder beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in eine dort vorgehaltene Gruppenversicherung eintreten.

curendo-Tipp: Ein Merkblatt für die Familienpflegezeitversicherung können Sie sich downloaden.

Was müssen Sie tun, um die Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen?

Wer die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen will, muss folgendes tun:

Nachweis der Pflegebedürftigkeit

Besorgen Sie sich den Nachweis, dass Ihr Angehöriger tatsächlich pflegebedürftig ist. Diesen erhalten Sie von der Pflegekasse, dem Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder bei privat Versicherten vom Gutachterdienst Medicproof.

Wichtig: Nahe Angehörige sind Großeltern, Eltern, Schwiegereltern, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder, die Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwiegerkinder und Enkelkinder.

Vereinbarung mit dem Arbeitgeber

Erklären Sie Ihrem Arbeitgeber die Situation und holen Sie sich seine Zustimmung ein. Eine Vereinbarung besiegelt dies und regelt den Umfang der Arbeitszeit vor und während der Familienpflegezeit, Beginn und Dauer, die Rückkehr zur "alten" Wochenarbeitszeit sowie die Aufstockung des Gehalts und den späteren Ausgleich.

Wichtig: Befristet Beschäftigte und Auszubildenden können die Familienpflegezeit höchstens für die Hälfte der verbleibenden Laufzeit des Beschäftigungs- bzw. Ausbildungsverhältnisses vereinbaren.

Familienpflegezeitversicherung

Pflicht ist auch, dass Sie Ihre Risiken von Berufsunfähigkeit oder Tod für die Dauer der Familienpflegezeit absichern müssen. Die Versicherungsbeiträge sind aber eher gering und enden mit der Nachpflegephase.

Wer wissen möchte, wer die Familienpflegezeitversicherung anbietet, findet auf der Homepage Familienpflegezeit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Anbieter zur Familienpflegezeitversicherung.

Wie wirkt sich die Familienpflegezeit auf die Rente aus?

Wenn Sie zusätzlich zum Job Angehörige pflegen, erwerben Sie doppelte Rentenansprüche. Während der Familienpflegezeit und der Nachpflegephase zahlt Ihr Arbeitgeber die Beiträge zur Rentenversicherung auf Basis des reduzierten Arbeitsentgeltes weiter.

Zusätzlich überweist die Pflegekasse der Rentenversicherung während der Familienpflegezeit für die geleistete Pflege Beiträge, wenn der Pflegeaufwand mindestens 14 Stunden und die Erwerbstätigkeit höchstens 30 Stunden pro Woche beträgt. Die Ansprüche steigen mit der Höhe der Pflegestufe. Damit halten pflegende Angehörige ihre Rentenansprüche etwa auf dem Niveau der Vollzeitbeschäftigung. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit geringem Einkommen werden sogar besser gestellt.

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Verfasst von: . Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 20.04.2015 aktualisiert.

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Kategorien: Leistungen

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Was ist der Unterschied zwischen Pflegeunterstützungsgeld, Pflegezeit und Familienpflegezeit?

Gibt es bei plötzlich eintretender Pflegebedürftigkeit eine Möglichkeit sich von der Arbeit freizustellen?

Kann ich aufgrund der Pflege eines Angehörigen auch vorzeitig in Rente gehen?

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