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Symptome und Therapie bei Multipler Sklerose: Hilfe bei Darmstörungen

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MS – die Krankheit mit den 1000 Gesichtern. Die Symptome bei Multipler Sklerose sind vielfältig. Etwa 70% der MS-Erkrankten leiden an Störungen des Darmes. Diese können sich unterschiedlich äußern. Lesen Sie hier, wie Verdauung funktioniert, welche Formen der Darmstörung auftreten können und wie Sie diesen entgegenwirken können.

Um zu verstehen, wieso es bei MS zu Störungen des Darmes und zu Problemen bei der Stuhlausscheidung kommt, sollte man zunächst den normalen Ablauf der Verdauung kennen. Auch die Stuhlausscheidung wird durch Nervenimpulse gesteuert. Bei MS können sich dort Entzündungsherde bilden, die die Reizweiterleitung beeinträchtigen und so Schwierigkeiten bei der Verdauung verursachen.

Wie funktioniert die normale Stuhlausscheidung?

Der gesamte menschliche Darm ist zwischen fünf und sieben Metern lang. Grob lässt er sich in 3 Abschnitte mit unterschiedlichen Aufgaben einteilen.

Der Dünndarm ist mit vier bis sechs Metern Länge der längste Abschnitt des Verdauungstraktes. Er beginnt direkt hinter dem Magen mit dem Zwölffingerdarm und windet sich in Schlingen durch den Bauchraum. Etwa in Höhe des Bauchnabels auf der rechten Seite des Bauches geht er in den Dickdarm über. Im Dünndarm wird die aufgenommene und im Magen angedaute Nahrung weiter in ihre Bestandteile zerlegt. Nährstoffe werden in Blut- und Lymphbahnen abgegeben. Durch rhythmische, nicht willentlich steuerbare Eigenbewegungen der Darmwände wird der Speisebrei durchmischt und weitertransportiert.

Der anschließende Dickdarm ist ca 1,5 Meter lang. Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Stuhl einzudicken, indem er ihm Wasser entzieht. Gleichzeitig wird im Dickdarm Schleim produziert, der dafür sorgt, dass der Kot gleitfähig bleibt. Im Dickdarm angesiedelte Bakterien verhindern das Eindringen von allergieauslösenden Stoffen und sorgen für die Darmbewegung und Unterstützung des Immunsystems.

Aufgabe des Enddarms

Im 15 bis 30 cm langen Enddarm, auch Mastdarm oder Rektum genannt, sammelt sich der Kot bis zur Ausscheidung. Dieser wird durch zwei Schließmuskel verschlossen. Der innere Schließmuskel funktioniert "automatisch" und kann nicht bewusst beeinflusst werden. Der äußere Schließmuskel dagegen kann bewusst angespannt oder gelöst werden, je nachdem, ob Stuhl und Darmgase entleert oder eingehalten werden sollen.

In der Darmschleimhaut befinden sich Schwellkörper. Diese messen über die Dehnung der Darmwand die Füllung des Enddarmes und geben diese Information an das Gehirn weiter. Bei zunehmender Stuhlmenge füllen sie sich mit Blut, schwellen an und unterstützen den äußeren Schließmuskel dabei, den Kot zurückzuhalten. Bei entsprechender Füllung des Enddarmes entsteht so Stuhldrang.

Ein gesunder Mensch kann den Stuhlgang willentlich zurückhalten, bis er eine Toilette aufsuchen kann. Zur Entleerung müssen die Bewegungen des Enddarmes, der äußere Schließmuskel und die Bauchpresse koordiniert werden.

Welche Darmstörungen entstehen bei MS?

Wenn man bedenkt, wie viele Aktionen der Körper bei der normalen Verdauung durchführt, verwundert es nicht, dass es bei MS zu Problemen mit dem Stuhlgang kommen kann.

Störungen der Stuhlausscheidung bei MS lassen sich in 2 Gruppen einteilen: Stuhlinkontinenz und Obstipation (Verstopfung). Die Inkontinenz beschreibt die Unfähigkeit, den Stuhlgang einzuhalten und bei geeigneter Gelegenheit bewusst zu entleeren. Obstipation bedeutet unregelmäßige, erschwerte und häufig schmerzhafte Stuhlentleerung.

Wie kommt es zu Stuhlinkontinenz?

Bedingt durch Aufmerksamkeits- und Empfindungsstörungen spüren Betroffene nicht, dass sich Kot im Enddarm befindet. Der Befehl an den Schließmuskel, den Darm zu verschließen, ergeht zu spät oder kann durch die Reizweiterleitungsstörungen nicht umgesetzt werden.

Durch neurologische Störungen schließt der innere Schließmuskel nicht richtig. Es können plötzliche, krampfartige Darmkontraktionen entstehen, die den Stuhlgang zu schnell durch den Darm vorwärts treiben. Dieser entleert sich plötzlich und ohne Vorwarnung.

Bedingt durch Gangstörungen kann die Toilette nicht schnell genug erreicht werden.

Was kann man gegen Stuhlinkontinenz tun?

Zunächst sollten Sie darauf achten, dass die Kleidung schnell und problemlos geöffnet werden kann. Die Toilette sollte behindertengerecht ausgestattet und gut erreichbar sein.

Trainieren Sie den Schließmuskel. Kneifen Sie die Pobacken zusammen, ziehen Sie den Beckenboden hoch und versuchen Sie gleichzeitig, den Sphinkter anzuspannen.

Auch besteht die Möglichkeit der gesteuerten Darmentleerung. Wenn Sie beabsichtigen, das Haus länger zu verlassen, entleeren Sie den Darm vorher mit einem Abführzäpfchen oder Micro-Klist. So vermeiden Sie unliebsame Überraschungen.

Versorgen Sie sich mit passendem Inkontinenzmaterial. Sie wissen selbst am besten, wie groß die Stuhlmengen sind, die ungewollt abgehen. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt Vorlagen verschreiben. Im Sanitätshaus wird man sie beraten, welche Vorlagengröße und -form die passende für Sie ist.

Der behandelnde Arzt kann Ihnen Medikamente verordnen, die den Stuhl verdicken oder die Darmmuskulatur hemmen.

Wodurch entsteht Obstipation bei MS?

Verstopfung entsteht durch verlangsamten Stuhltransport durch den Darm oder durch eine Entleerungsstörung durch Störungen am Sphinkter. Normalerweise setzt nach der Nahrungsaufnahme ein Reflex ein, der den Stuhltransport veranlasst. Bei MS kann es passieren, dass dieser ausfällt. Durch die gestörten Nervenimpulse wird der Stuhl zu langsam durch den Darm transportiert. Auf dem Weg wird zu viel Wasser entzogen, der Stuhl verhärtet sich.

Bewegungsmangel durch Spastiken, Schwäche oder Fatigue verlangsamt ebenfalls den Stuhltransport.

Häufig wird wegen bestehender Inkontinenz zu wenig getrunken. Auch dies führt zu Verhärtung des Kotes.

Manche Medikamente, die bei Blasenstörungen oder Depressionen verordnet werden, können zu Obstipation führen.

Was können Sie gegen Obstipation bei MS tun?

Achten Sie auf ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen und Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre. Ballaststoffe sind reichlich in rohem Obst und Gemüse oder Vollkorngetreideprodukten enthalten. Trinken Sie ausreichend, mindestens zwei Liter pro Tag.

Trainieren Sie Ihren Darm. Wählen Sie sich passenden Zeitpunkt am Tag, an dem Sie ungestört und entspannt zur Toilette gehen können. Dieser sollte nicht unter Stress oder Zeitdruck fallen. Gehen Sie täglich zur gleichen Zeit zur Toilette, auch wenn sie keinen Stuhldrang spüren. Manchen Menschen hilft es, vorher ein Glas Mineralwasser zu trinken, anderen schwören auf Kaffee oder Tee. So können Sie Ihren Darm mit der Zeit programmieren, sich zum gewünschten Zeitpunkt zu entleeren.

Medikamente zur Regelung der Verdauung sollten die letzte Möglichkeit der Wahl sein. Sprechen Sie diese in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt ab. Quellmittel können Ballaststoffe ergänzen, es muss aber zusätzlich getrunken werden. Stuhlerweicher ziehen Flüssigkeit aus dem Gewebe in den Darm. So kann der Stuhl leichter ausgeschieden werden. Alternativ können Abführmittel, Zäpfchen oder Einläufe verabreicht werden.

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Kategorien: Multiple Sklerose

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