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Therapie bei MS: Was tun bei Spastik, Ataxie und Tremor?

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Deutschlandweit sind etwa 130.000 Menschen an MS erkrankt. Trotz intensiver Forschung in den letzten 20 Jahren ist die Krankheit nicht heilbar. Viele der an MS Erkrankten leiden an Symptomen wie Spastiken, Ataxien und Tremor. Lesen Sie hier, wie diese Bewegungs- und Koordinationsstörungen bei MS mit medikamentösen und nichtmedikamentösen Maßnahmen behandelt werden können.

Die Therapie einer MS-Erkrankung steht auf 3 Säulen:

  • Basis- bzw. Langzeit-Therapie mit dem Ziel, Nervenzellen zu schützen und den Autoimmunprozess abzuschwächen
  • Schub-Therapie bei einer akuten Verschlechterung der Erkrankung
  • Symptom-Therapie, um dauerhafte, belastende Symptome zu mildern

Nähere Informationen zur Basis- und Schub-Therapie erhalten Sie hier.

Bewegungs- und Koordinationsstörungen sind häufige Symptome einer MS-Erkrankung. Diese können schmerzhaft sein und Betroffene sehr beeinträchtigen. Durch die Störung von Bewegungsabläufen sind alltägliche Tätigkeiten eingeschränkt. Das Gehen oder das Greifen nach Gegenständen ist deutlich erschwert, die Feinmotorik verschlechtert sich. Es entsteht vermehrte Abhängigkeit von der Unterstützung durch das Umfeld. Das Risiko der Pflegebedürftigkeit steigt.

Was ist eine Spastik?

Spastiken entstehen durch erhöhte Spannung der Muskulatur. Diese wird ausgelöst durch eine Schädigung der Pyramidenbahn. Diese Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark sind für die Steuerung der willkürlichen Bewegungen zuständig.

Anzeichen für eine Spastik sind Muskelsteifigkeit, Verkrampfungen, Schmerzen in den betroffenen Muskeln bis hin zur Verkürzung von Muskeln und Sehnen. Muskelreflexe sind übersteigert oder es treten pathologische (krankhafte) Reflexe auf. Häufig ist die Spastik begleitet von einem Schwere- und Spannungsgefühl und einer Muskelschwäche im betroffenen Bereich. Bleibt die erhöhte Muskelspannung bestehen, können sich Kontrakturen bilden.

Was ist Ataxie?

Ataxien, auch bezeichnet als ataktische Bewegungsstörungen, sind Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. Das Zusammenspiel der Arm-, Bein- und manchmal auch der Rumpfmuskeln ist gestört. Zielgerichtete Bewegungen wie Zähneputzen, Führen von Besteck oder Bedienen der Maus am PC sind erschwert. Das Gangbild ist gestört, Betroffene laufen unsicher und breitbeinig. Es besteht erhöhte Sturzgefahr.

Was ist Tremor?

Tremor ist das unwillkürliche, rhythmische, sich wiederholende Zusammenziehen von Muskelgruppen. Dieser äußert sich in einem beständigen, gleichmäßigen Zittern von Körperteilen.

Ataxie und Tremor hängen häufig von der körperlichen und seelischen Verfassung des Betroffenen zusammen. Stress, Schmerzen, Erschöpfung, Nervosität oder das Gefühl, beobachtet zu werden, verstärken die Symptome.

Was sind neurophysiologische Techniken?

Hauptbestandteil der Therapie ist die regelmäßige Physiotherapie. Die Physiotherapie bei Bewegungsstörungen verfolgt das Ziel der Verbesserung der Feinmotorik und Beweglichkeit, der Linderung von Schmerzen und Vermeidung von Folgeschäden wie Gelenkverschleiß oder Kontrakturen. Die Muskelspannung soll reguliert und die Körperhaltung stabilisiert werden. Betroffene sollen ihre Selbständigkeit erhalten und verbessern.

Spezialisten für Neurophysiotherapie beherrschen Techniken, die über eine Aktivierung bestimmter Wahrnehmungssysteme im Gehirn eine Verbesserung der Motorik erreichen.

Die meist genutzten neurophysiologischen Konzepte sind

  • Bobath: Das Behandlungskonzept beruht auf der Hemmung abnormaler und der Bahnung physiologischer Bewegungsmuster.
    Im Vordergrund stehen die Verbesserung des Gleichgewichts, der Körperhaltung, der Bewegungsabläufe sowie der Kopf- und Rumpfkontrolle.
  • Vojta: Über die Aktivierung bestimmter Reflexzonen werden Muskelgruppen angeregt, die die Wirbelsäule stabilisieren
  • Brunkow: Grundlage der Behandlung ist eine bestimmte Ausgangsstellung von Händen und Füßen. Durch die Übungen wird die Kontrolle des Muskeltonus, Stabilisation der Gelenke und Verbesserung der aufrechten Körperhaltung erreicht.
  • propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation: Das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven wird erleichtert. Bestimmte Reize wie Druck, Zug, Dehnung und Widerstand werden auf Muskeln und Gelenke ausgeübt. Komplexe Bewegungsabläufe wie Aufstehen oder Gehen werden in Grundmuster von Muskelbewegungen zerlegt. So können diese einzeln oder in Kombination miteinander trainiert werden.

    Was können Sie selbst tun?

  • Stellen Sie sich ein tägliches Übungsprogramm zusammen
    Dies sollte sanfte Dehn- und Bewegungsübungen mit minimalem Kraftaufwand enthalten. Auch Stretching-Übungen eignen sich zum Training von Rücken, Hüfte und Beinen. Das Trainingsprogramm sollte aktive und passive Übungen enthalten. Aktiv bedeutet, dass Sie die Bewegungen selbst durchführen. Passiv heißt, dass eine 2. Person die Bewegungen an Ihnen ohne Ihr Zutun durchführt. Zu zweit trainieren macht sowieso mehr Spaß und steigert die Motivation.
  • Hippotherapie – auf dem Rücken eines Pferdes
    Mit Hilfe eines Pferdes wird die Beweglichkeit von Oberkörper, Becken und Hüfte gefördert. Die gleichförmigen, sich wiederholenden Schwingungen des Pferderückens üben einen positiven Effekt auf den Muskeltonus aus. Schlaffe Muskeln spannen sich an, spastische Muskeln lösen sich nach kurzer Zeit. Dies ist ein passives Training, es spielt keine Rolle, ob Sie schon einmal geritten sind.
    Der Sattel des Pferdes ist mit Haltegriffen und Anschnallgurten ausgestattet. Das Pferd wird an einem Langzügel geführt. Der Therapeut gibt Hilfestellungen und koordiniert die für den jeweiligen Betroffenen individuell gestalteten Übungen.
    Sie sollten diese Therapie mit Ihrem Neurologen besprechen. Er kann Ihnen ein Privatrezept für Hippotherapie ausstellen. Die Kosten werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Eine Behandlung dauert etwa 20 – 30 Minuten und sollte 2 – 3-mal wöchentlich durchgeführt werden. Die Kosten pro Sitzung betragen derzeit etwa 25 Euro.
  • Orthesen – Hilfsmittel in Form von Schienen oder Bandagen
    Orthesen dienen dazu, eingeschränkte Bewegungsfunktionen zu unterstützen. Diese werden von einem Orthopädietechniker angepasst. Je nach bestehendem Problem kann es eine starre oder bewegliche Schiene mit Scharnier sein oder eine flexible Bandage. Diese kann eine stabilisierende, die Bewegung führende, fixierende oder entlastende Funktion haben, abhängig von den bestehenden Beschwerden. Die Notwendigkeit kann ein Physiotherapeut beurteilen.
  • Lernen Sie eine passende Entspannungstechnik
    Bei regelmäßigem Training können Sie Ihren Stresspegel senken. Dies ist wichtig in Stresssituationen. Anspannung und Hektik kann Nervosität und Anspannung verstärken. Dies betrifft auch gesunde Menschen. Bei MS-Erkrankten verstärken sich bei Stress die Symptome. Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson geht davon aus, dass durch die Entspannung des Körpers auch Nervosität und seelische Anspannung gelöst wird. Entspannung von Körper und Seele unterstützen sich gegenseitig.
  • Medikamentöse Therapie gegen Spastiken
    Spastiken lassen sich gut medikamentös behandeln. Die Dosierung wird vom Neurologen angepasst. Der häufigste verwendete Wirkstoff ist Baclofen, oft auch in Kombination mit Tizanidin oder Diazepam. Bei sehr starken, schmerzhaften Spastiken können Botox-Spritzen verabreicht werden. Diese lindern Verkrampfung und Schmerzen durch eine teilweise Lähmung des Muskels. Botox wird von geschulten Neurologen direkt in den betroffenen Muskel gespritzt. Die Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen.

Auf der Seite der DMSG – Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft – finden Sie eine Liste mit den Landesverbänden der DMSG. Über diese erhalten Sie Informationen und Tipps über Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe. Diese können Ihnen helfen, Physiotherapie-Praxen zu finden, die auf neurologische Erkrankungen spezialisiert sind.

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Kategorien: Multiple Sklerose

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