Was bewirkt Kompressionstherapie bei einem Ulcus cruris?

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In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an einem Ulcus cruris, einem Unterschenkelgeschwür. Diese Erkrankung wird häufig auch als offenes Bein bezeichnet. Ungefähr 70 % der Wunden entstehen durch eine Venenschwäche. Lesen Sie hier, welche unterschiedlichen Ulcera es gibt und wann eine Kompressionstherapie unerlässlich ist.

Die Bezeichnung Ulcus cruris bezeichnet eine chronische, schlecht heilende Wunde am Unterschenkel (Ulcus lat. = Geschwür, crus = Unterschenkel). Es gibt unterschiedliche Ursachen für diese Hauterkrankung. Um eine geeignete Therapie festlegen zu können, muss zunächst die Ursache eindeutig diagnostiziert werden.

Welche Arten von Ulcus cruris gibt es?

Es gibt 3 Hauptursachen für ein Ulcus cruris. Etwa zwei Drittel entstehen durch eine venöse Schwäche (venosum). Ursache für die übrigen Geschwüre sind arterielle Durchblutungsstörungen (arteriosum) oder eine Kombination aus venöser und arterieller Schwäche (mixtum).

Ulcus cruris venosum

Beim Ulcus cruris venosum kommt es durch eine Schwäche der Venenklappen zu einem Rückstau des Blutes am tiefsten Punkt des Körpers, den Füßen und Unterschenkeln. Es können sich Krampfadern bilden. Die Beine schwellen an, die Haut ist gespannt. Der Druck in den Venen steigt an. Die kleinen Blutgefäße in der Haut werden zerstört, die Sauerstoffversorgung ist behindert. Durch die ständigen Ödeme kommt es zur Verhärtung des Bindegewebes und zur Bildung von Hautschuppen. Kleinste Bagatellverletzungen verheilen nicht, es können daraus große, langwierige Geschwüre entstehen.

Ulcus cruris arteriosum

Das Ulcus cruris arteriosum entsteht durch mangelhafte Durchblutung des Gewebes. Diese wird verursacht durch Arteriosklerose (Arterienverkalkung), die einen Verschluss der kleinen Gefäße in den Füßen und Beinen (siehe auch Was ist die periphere Verschlusskrankheit – paVK) verursacht. Auch bei dieser Form kann eine kleine Verletzung ein großes Geschwür bedingen. Durch die verminderte Durchblutung wird das Gewebe nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Ein Ausheilen der Wunde ist sehr langwierig.

Ulcus cruris mixtum

Das Ulcus cruris mixtum ist ein Geschwür, das aus einer Mischform aus beiden Gefäßerkrankungen entsteht. Zur Mangeldurchblutung durch die arterielle Verschlusskrankheit (Ulcus cruris arteriosum) kommt eine Venenschwäche hinzu, die den Rückfluss des Blutes aus den Beinen behindert (Ulcus cruris venosum).

Wie wird ein Ulcus cruris behandelt?

Zu Beginn einer Therapie steht zunächst die genaue Diagnostik. Es wird untersucht, in welchem Zustand die Blutgefäße sind. Sowohl der venöse Rückfluss als auch die arterielle Durchblutung wird überprüft. Bei bestehenden ausgeprägten Krampfadern kann eine Operation notwendig sein.

Solange der Zustand der Adern nicht untersucht und behandelt wurde, ist eine Wundheilung nicht möglich. Auch muss genau diagnostiziert werden, welche Grunderkrankung Ursache des Geschwüres ist. Sind es arterielle Durchblutungsstörungen, muss diese verbessert werden. Sind es venöse Stauungen, muss der Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen verbessert werden.

Welche Besonderheiten hat die Therapie bei einem Ulcus cruris venosum?

Häufig steht zu Beginn einer Behandlung ein Krankenhausaufenthalt. Venöse Schwächen wie Krampfadern müssen in vielen Fällen operativ behoben werden. Je nach Größe und Zustand des Ulcus cruris wird häufig nach der Entlassung die weitere Behandlung in der Wundambulanz der Klinik fortgeführt.

Sind regelmäßige Fahrten in die Klinik für Betroffene zu belastend oder aufwändig, kann ein Pflegedienst für die häusliche Versorgung beauftragt werden. Diese Leistung ist unabhängig von einer Pflegestufe. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Die weitere Therapie bei einem Unterschenkelgeschwür auf Grund einer Venenschwäche steht auf zwei Säulen:

  • Lokale Wundbehandlung
  • Kompressionstherapie

Lokale Wundbehandlung

Wunde und Wundrand bedürfen einer sorgfältigen, professionellen Pflege. Mittlerweile steht eine große Palette von modernen Wundauflagen zur Verfügung. Speziell dafür ausgebildete Pflegekräfte – Wundmanager – können die Verhältnisse von Wunde und Wundrand beurteilen und die geeignete Therapie dafür festlegen.

Dabei spielt es eine Rolle, ob die Wunde belegt ist, ob sich darin Keime befinden oder wie stark die Wunde nässt. Dies alles wird durch Wundmanager beurteilt. Je nach Heilungsphase des Gewebes wird die Therapie entsprechend angepasst.

Kompressionstherapie

Solange sich im Wundbereich Ödeme ("Wasseransammlungen") befinden, kann die Wunde nicht heilen. Durch Kompression der erweiterten Venen wird der Rückfluss des Blutes zurück zum Herzen verbessert. Die geschädigten Venenklappen werden wieder aneinander gedrückt, der Schluss der Klappen verbessert sich.

Der Stauung des Blutes im Unterschenkel wird so entgegengewirkt. Gleichzeitig wird die Wirkung der Muskel-Venen-Pumpe verbessert. Der Druck auf das Gewebe im Unterschenkelbereich durch verbesserten Abtransport des Blutes nimmt ab. Der Zustand von Haut und Gewebe verbessert sich.

Zunächst wird die Kompression am betroffenen Bein mit speziellen elastischen Binden – Kurzzugbinden – angelegt. Diese Binden dehnen sich in der Länge, nicht in der Breite. Der so erzeugte Druck auf die Venen ist im Ruhezustand gering, bei Bewegung hoch. So wird die Muskel-Venen-Pumpe optimal gefördert.

Auch wenn das "Wickeln der Beine" als lästig empfunden wird, stellt es doch einen wesentlichen Bestandteil der Therapie dar. Ohne Kompression ist Wundheilung nicht möglich. Besorgen Sie für diese Phase der Therapie weite, bequeme Schuhe, in denen Betroffene gut laufen können. Bewegung fördert den Aufbau der Muskeln, die Wirkung der Muskel-Venen-Pumpe verbessert sich, der Blutfluss wird gefördert. Mit fortschreitender Heilung und Verkleinerung der Wunde wird der Wechsel zu Kompressionsstrümpfen möglich.

Wie lange muss die Kompressionstherapie fortgeführt werden?

Besteht eine ausgeprägte Venenschwäche, muss die Kompressionstherapie ein Leben lang fortgesetzt werden. Die erkrankten Venen brauchen Unterstützung, um das Blut zum Herzen zurück zu befördern. Wird diese nicht konsequent fortgeführt, kann jede kleinste Verletzung die Entstehung eines neuen Ulcus bedingen.

Wann darf keine Kompressionstherapie erfolgen?

Besteht neben der Venenschwäche auch eine arterielle Durchblutungsstörung, darf keine Kompression angelegt werden. Diese würde auch die geschädigten Arterien zusammenpressen und so die Durchblutung und Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen verhindern. Aus diesem Grunde ist die Therapie eines Ulcus cruris mixtum sehr schwierig.

Auch bei einer bestehenden Schwäche der rechten Herzhälfte darf keine Kompression erfolgen. Die Erhöhung des Blutflusses kann ein geschädigtes Herz überfordern. Es ist nicht in der Lage, die gesteigerte Blutmenge zu bewältigen. Dies kann zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Aus diesem Grunde darf Kompression immer erst nach genauer Diagnostik und auf Anordnung des Arztes angelegt werden.

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Verfasst von: Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 21.07.2014 aktualisiert.

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Kategorien: Pflege

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