Was sollten Sie beim Tragen von Kompressionsstrümpfen beachten?

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Medizinische Kompressionsstrümpfe sind ein wichtiges Hilfsmittel zur Behandlung von Venenerkrankungen. Um wirksam zu sein, müssen sie regelmäßig getragen werden. Dabei sind einige wichtige Dinge zu beachten. Lesen Sie hier, was Sie im Umgang mit Kompressionsstrümpfen beachten sollten.

Medizinische Kompressionsstrümpfe werden vom Arzt zur Behandlung von Venenerkrankungen verordnet. Dies können müde, schwere Beine, Lymphödeme, Krampfadern, Besenreiser, Unterschenkelgeschwüre, Thrombosen oder Venenentzündungen sein. Es ist wichtig, dass diese täglich getragen werden. Auch müssen sie korrekt sitzen, um die optimale Wirkung entfalten zu können. Damit die Strümpfe lange halten, ist die richtige Pflege wichtig.

Tragen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe täglich!

Kompressionsstrümpfe müssen täglich getragen werden. Sie sollten morgens bei abgeschwollenen Beinen / entstauten Venen angezogen werden und erst unmittelbar vor dem Zu-Bett-Gehen ausgezogen werden.

Am besten ist es, diese morgens vor dem Aufstehen anzuziehen. Sind Sie erst einmal aufgestanden und herumgelaufen, schwellen die Beine schnell an. Später angezogene Kompressionsstrümpfe können einschnüren und das versackte Blut in den Venen stauen.

Wollen Sie Ihre Strümpfe erst nach dem Aufstehen anziehen, z. B. im Anschluss an die Körperpflege, sollten Sie Ihre Beine für ca. 15 Minuten hochlagern. Dadurch entstauen Sie Ihre Venen wieder. Versacktes Blut läuft zurück in den Kreislauf. Legen Sie sich flach hin, lagern sie die Beine über Herzniveau. Achten Sie darauf, dass Knie und Hüften nicht abgeknickt sind.

Tipp: Waschen und cremen Sie Ihre Füße abends, nach dem Ausziehen der Kompressionsstrümpfe. So vermeiden Sie, dass sich Creme-Reste an den Strümpfen befinden. Diese können die Elastikfäden in den Strümpfen porös machen.

Achten Sie beim Tragen der Strümpfe auf korrekten Sitz und angenehmes Tragegefühl!

Die Kompressionsstrümpfe müssen in Länge und Breite korrekt sitzen. Sie dürfen nicht einschnüren oder rutschen. Tragen Sie Strümpfe mit offener Spitze, muss der untere Rand glatt am Zehenansatz sitzen oder sollte etwas darüber gezogen werden. Entscheiden Sie selbst, was Ihnen angenehm ist. Der Rand darf sich nicht einrollen oder einschneiden. Spüren Sie Schwäche oder Taubheitsgefühl in den Beinen, kann dies ein Hinweis auf eine Schädigung der Nerven sein. Informieren Sie den behandelnden Arzt.

Tipp: Sind die Kompressionsstrümpfe zu lang, schlagen Sie diese keinesfalls um. Informieren Sie das ausliefernde Sanitätshaus. Diese sorgen dafür, dass die Strümpfe vom Hersteller entsprechend geändert werden.

Kontrollieren Sie Ihre Füße und Unterschenkel nach dem Ausziehen der Strümpfe!

Führen Sie nach dem Ausziehen der Kompressionsstrümpfe eine genaue Hautinspektion durch. Kleinste Wunden können Eintrittspforten für Infektionen sein. Untersuchen Sie Ihre Beine auf Hautschädigungen. Im Bereich von Knochenvorsprüngen, z. B. am Knöchel oder den Zehengelenken kann es zu Druckgeschwüren kommen.

Zu enge Strumpfränder können einschnüren und die Haut wundreiben. Kontrollieren Sie auch die Zehenzwischenräume. In engen, schlecht belüfteten Hautfalten kann sich schnell Intertrigo bilden und ein Hautpilz ansiedeln. Trocknen Sie die Zehenzwischenräume nach der abendlichen Pflege sehr gut ab.

Tipp: Ist die Haut Ihrer Füße sehr trocken, cremen Sie diese über Nacht reichlich mit einer Urea (Harnstoff)-haltigen Lotion und ziehen Sie Strümpfe darüber. Dies hat den Effekt einer "Feuchtigkeitspackung" für die Haut.

Holen Sie sich Hilfe bei Anziehen der Kompressionsstrümpfe, wenn Sie es selbst nicht schaffen!

Für Menschen mit Hüft- oder Rückenproblemen oder entzündlichen Gelenkserkrankungen in den Händen kann das Anziehen der Kompressionsstrümpfe ein unlösbares Problem darstellen. Wenn sie es nicht schaffen, sich selbst oder Ihrem Angehörigen die Strümpfe anzuziehen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Verordnung über die Unterstützung durch die häusliche Krankenpflege. Dies ist unabhängig von einer Pflegestufe. Es handelt sich um eine medizinische Leistung, die die Krankenkasse, nicht die Pflegekasse trägt.

Gibt es keine im Haushalt lebende Person, die in der Lage ist, Ihnen oder Ihrem Angehörigen die Strümpfe anzuziehen, übernimmt ab Kompressionsklasse 2 die Krankenkasse die Kosten für einen Pflegedienst. Dieser kommt morgens und / oder abends zur jeweils vereinbarten Uhrzeit und zieht Ihnen die Strümpfe an bzw. aus.

Die Kosten betragen 10 Euro pro Verordnung und 10 % der Kosten für den Pflegedienst für maximal 28 Kalendertage pro Jahr. Pro Einsatz zum An- oder Ausziehen der Strümpfe bekommt ein Pflegedienst etwa 8 bis 9 Euro von der Krankenkasse. Das bedeutet also etwa 48 Euro Eigenbeteiligung für das An-/Ausziehen der Strümpfe jährlich, wenn ein Pflegedienst dauerhaft zweimal täglich kommt. Hinzu kommen 10 Euro pro Verordnung, die der behandelnde Arzt ausstellt.

Tipp: Bitten Sie den Arzt, die Verordnung für die häusliche Pflege für mindestens ein Quartal auszustellen. Je nach Krankenkasse wird die Erstverordnung nur für 14 Kalendertage genehmigt, danach sind längere Zeiträume möglich. Sind Sie von der gesetzlichen Zuzahlung befreit, entfällt die Eigenbeteiligung ganz.

Lassen Sie sich regelmäßig neue Kompressionsstrümpfe verschreiben!

Die durchschnittliche Haltbarkeit der Strümpfe beträgt etwa ein halbes Jahr. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für neue Kompressionsstrümpfe alle sechs Monate. Bei der Erstverordnung stehen Ihnen zwei Paar Strümpfe zu.

Der Preis variiert nach Länge, Ausführung und Material. Auch sind individuell maßangefertigte Strümpfe natürlich teurer als Strümpfe aus der vorhandenen Kollektion.

Tipp: Notieren Sie sich das Datum im Kalender, wann Sie sich neue Strümpfe verordnen lassen können. Sechs Monate sind schnell herum.

Achten Sie auf korrekte Messung Ihrer Beine für die Kompressionsstrümpfe!

Das Ausmessen der Beine sollte optimalerweise morgens erfolgen, wenn die Beine noch schlank sind. Das Messen sollte im Stehen am nicht geschwollenen Bein erfolgen. Wichtig ist, dass die Muskulatur entspannt ist. Der Fuß muss im 90° Winkel zum Unterschenkel stehen. Gemessen wird am unbekleideten Bein. Helfen Sie sich selbst, indem Sie Kleidung tragen, die Sie leicht an- und ausziehen können, wenn Sie zum Sanitätshaus gehen.

Gemessen werden Länge und Umfang der Beine an bestimmten Stellen. Auch die Fußlänge muss ausgemessen werden. Diese werden in eine Tabelle eingetragen und mit den Maßen von Serienstrümpfen abgeglichen. Weichen Ihre Werte von den Normmaßen ab, werden die Kompressionsstrümpfe für Sie individuell angefertigt.

Es müssen immer beide Beine ausgemessen werden. Gerade bei Venenleiden sind die Abweichungen oft erheblich. Bei Maßanfertigungen sind die Strümpfe mit rechts und links gekennzeichnet und müssen auch so getragen werden.

Die Beine müssen bei jeder Neuverordnung von Kompressionsstrümpfen ausgemessen werden. Die Beine verändern sich immer wieder. Es geht nicht, dass Strümpfe "wie beim letztem Mal" angefertigt oder telefonisch bestellt werden.

Tipp: Können Sie selbst oder Ihr Angehöriger das Haus nicht verlassen, kommen Mitarbeiter der Apotheke oder des Sanitätshauses zum Messen der Beine zu Ihnen nach Hause.

Pflegen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe richtig für lange Haltbarkeit!

Die Strümpfe sollten jeden Abend, zumindest aber nach jedem 2. Tragen ausgewaschen werden. Dies kann von Hand oder in der Waschmaschine im Schonwaschgang bei maximal 30° erfolgen. Verwenden Sie ein mildes Feinwaschmittel ohne Fleckenentferner oder Weichspüler.

Wickeln Sie die Strümpfe in ein Handtuch und drücken Sie sie vorsichtig aus. Vermeiden Sie kräftiges Wringen. Dadurch können die Elastikfäden im Material reißen. Lassen Sie die Strümpfe auf einem Handtuch ausgebreitet trocknen. Das Material trocknet sehr schnell. Legen Sie diese nicht auf die Heizung und geben Sie sie keinesfalls in den Wäschetrockner.

Schneiden Sie lose Fäden oder abstehende Schlingen nicht ab. Entstandene Laufmaschen können nicht selbst gestopft werden. In diesem Fall müssen die Kompressionsstrümpfe eingeschickt und vom Hersteller kunstgestopft werden.

Tipp: Entsorgen Sie alte Kompressionsstrümpfe. Diese sind mit der Zeit ausgeleiert und erfüllen nicht mehr den benötigten Zweck.

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Verfasst von: Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 13.04.2015 aktualisiert.

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