OK

Wir benutzen Cookies, um unseren Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Außerdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Wie wird eingeschränkte Alltagskompetenz bei Demenzkranken festgestellt?

Erhalten Sie in unserem Online-Pflegekurs Unterstützung, Information und persönlicher Beratung von Experten.

Menschen mit Demenz haben Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung, auch wenn keine Pflegestufe besteht. Dazu muss erwiesen sein, dass eine erhebliche bzw. in erhöhtem Maße eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Diese wird durch den Medizinischen Dienst MDK festgestellt. Lesen Sie hier, wie die Begutachtung erfolgt und welche Faktoren die eingeschränkte Alltagskompetenz belegen.

Seit dem 01.01.2015 gelten für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (PEA) neue Leistungsbeträge. Sie wurden auf 104 bzw. 208 Euro monatlich erhöht.

Diese Betreuungsleistungen können auch bezogen werden, wenn keine Pflegestufe besteht. Dies wird als Pflegestufe 0 bezeichnet: Es besteht ein anerkannter Betreuungs- und Beaufsichtigungsbedarf. Der tägliche zeitliche Aufwand für den Pflegebedarf reicht jedoch nicht aus für Pflegestufe I (45 Minuten).

Menschen mit erheblich bzw. in erhöhtem Maße eingeschränkter Alltagskompetenz erhalten zusätzlich zu den Betreuungsleistungen Pflegegeld in Höhe von 123 Euro bzw. Anspruch auf Pflegesachleistungen in Höhe von 231 Euro. Berechtigte Personen sind laut Umsetzungsempfehlung der Kranken- und Pflegekassen Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung.

Wie verläuft das Verfahren zur Feststellung eingeschränkter Alltagskompetenz?

Das Verfahren zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz erfolgt in 2 Schritten: PEA – Screening und PEA – Assessment. Das Screening wird im Rahmen der Begutachtung zur Feststellung einer Pflegebedürftigkeit bei jedem Antragsteller durchgeführt. Das Assessment erfolgt, wenn im Screening mindestens eine Auffälligkeit festgestellt wurde, die in ihrer Ursache auf eine Demenz- oder psychische Erkrankung oder geistige Behinderung zurückzuführen ist.

Welche Auffälligkeiten kommen im PEA-Screening zum Tragen?

Im PEA-Screening wird der Hilfebedarf in folgenden Punkten erfragt:

  • Orientierung
  • Antrieb/Beschäftigung
  • Stimmung
  • Gedächtnis
  • Tag-/Nachtrhythmus
  • Wahrnehmung und Denken
  • Kommunikation/Sprache
  • Situatives Anpassen
  • Soziale Bereiche des Lebens wahrnehmen

Dabei geht es ausdrücklich nicht um den Pflegebedarf, sondern um den spezifischen Hilfebedarf. Pflegebedarf kann beispielsweise bedeuten, dass Sie Ihrem Angehörigen Mahlzeiten mundgerecht zubereiten oder anreichen. Hilfebedarf in diesem Fall könnte so aussehen, dass Ihr Angehöriger zwar in der Lage ist, sich selbst den Teller zu füllen und zu essen. Trotzdem betreuen Sie ihn regelmäßig zu den Mahlzeiten, da er diese sonst vergessen oder vorzeitig abbrechen würde.

Das PEA-Screening gilt als positiv, wenn mindestens einer der genannten Punkte als auffällig bewertet wurde und daraus ein dauerhafter und regelmäßiger Betreuungs- und Beaufsichtigungsbedarf folgt. Regelmäßig bedeutet, dass tägliche Beaufsichtigung oder intensive Betreuung notwendig sind. Dieser Bedarf kann abhängig von Krankheitsbild und Tagesform schwanken und mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt sein. Dauerhaft heißt, dass Hilfebedarf voraussichtlich für mindestens 6 Monate besteht.

Sind diese Voraussetzungen gegeben, muss das ausführliche PEA-Assessment erfolgen. Dabei wird überprüft, ob erheblich oder in erhöhtem Maße eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Davon hängt ab, ob Ihr Angehöriger Anspruch auf den Grundbetrag von 100 Euro oder den erhöhten Betrag von 200 Euro monatlich für Betreuungsleistungen erhält.

Wie verläuft das PEA-Assessment?

Im ausführlichen Assessement wird der Beaufsichtigungs- und Betreuungsbedarf in 13 Punkten, sogenannten Items, überprüft. Auch hier gilt, dass dieser Bedarf dauerhaft und regelmäßig vorhanden sein muss. Die einzelnen Punkte sind sowohl vom Begutachter selbst zu beobachten, als auch bei anwesenden Angehörigen zu erfragen. Manchmal können Demenzerkrankte im Moment klar und orientiert wirken und gestellte Fragen des Gutachters adäquat beantworten. Deshalb sind in jedem Falle die Angaben der Angehörigen mit zu bewerten.

  • 1. Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches

Sucht Ihr Angehöriger immer wieder seine Eltern oder Kinder, will zur Arbeit gehen, die Bahn erreichen usw. und verlässt deshalb die Wohnung? Geht die demenzkranke Person häufig ruhe- und ziellos umher und läuft dabei versehentlich aus dem Haus? Will er ohne offensichtlichen Grund hinauslaufen?

  • 2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen?

Gefährdet Ihr Angehöriger sich selbst oder andere? Verkennt er das Ampelsignal? Läuft er einfach auf stark befahrene Straßen? Verlässt er im Winter die Wohnung in Nachtkleidung oder ohne Mantel? Kann er nicht mehr mit dem Schlüssel umgehen und seine Wohnungstür nicht aufschließen?

  • 3. Unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen

Stellt Ihr Angehöriger den Herd an und vergisst diesen? Dreht er den Gasanschluss auf? Macht er Feuer in der Wohnung, um zu heizen? Will sich die demenzkranke Person sich mit heißem Wasser waschen oder duschen? Isst sie verdorbene Lebensmittel, Zimmerpflanzen oder Zigaretten? Versucht sie, Putzmittel zu trinken? Werden Medikamente unsachgemäß eingenommen?

  • 4. Tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation

Neigt Ihr Angehöriger manchmal zu aggressiven Verhaltensweisen wie beißen, schlagen, treten, kratzen, spucken usw., wenn er Angst hat oder sich unter Druck gesetzt fühlt? Beschimpft, beleidigt oder beschuldigt er sie grundlos? Zerschlägt er Geschirr, zerschneidet Tischdecken, Gardinen oder Kleidung?

  • 5. Im situativen Kontext inadäquates Verhalten

Verlegt oder versteckt Ihr Angehöriger seine Brille, Geld, Schlüssel usw.? Verschmiert die erkrankte Person Ihr Essen? Sammelt oder versteckt sie Essensreste? Zerpflückt sie die Inkontinenzeinlagen? Versteckt sie benutzte Vorlagen oder schmutzige Wäsche? Lässt Ihr Angehöriger Wasser oder Stuhlgang im Wohnraum, Papierkorb, Flur usw., verschmiert oder isst Kot? Ruft oder schreit er permanent ohne erkennbaren Grund?

  • 6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen

Empfindet Ihr Angehöriger keinen Hunger oder Durst, kann diese Bedürfnisse nicht äußern oder isst von sich aus keine bereitgestellten Nahrungsmittel? „Stopft“ er alles Essbare in sich hinein, da das Sättigungsgefühl fehlt? Können Schmerzen nicht geäußert oder lokalisiert werden? Werden Verletzungen auf Grund mangelndes Schmerzempfindens nicht wahrgenommen? Erfolgen Toilettengänge nur auf Aufforderung, da Harn- oder Stuhldrang nicht wahrgenommen oder erkannt werden?

  • 7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung

Verbringt Ihr Angehöriger den Tag apathisch im Bett, verweigert er die Nahrung, lässt sich nicht aktivieren, verlässt er den einmal eingenommen Platz nicht von sich aus?

  • 8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben

Erkennt Ihr Angehöriger Sie, Freunde oder Verwandte nicht? Kann er nicht mehr mit Geld umgehen? Findet er sein Zimmer oder seine Wohnung nicht von alleine? Kann er sich nicht richtig artikulieren? Hält er Absprachen nicht ein, vergisst diese häufig schon nach kurzer Zeit?

  • 9. Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus

Ist die erkrankte Person nachts unruhig oder verwirrt? Steht Sie auf, läuft in der Wohnung umher, kann oder will nicht schlafen, weckt die ganze Familie?

  • 10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren

Kann Ihr Angehöriger den eigenen Tagesablauf nicht mehr bewältigen? Weiß er nicht, wann Zeit zum Aufstehen, Waschen, Ankleiden, Kochen, Essen… ist? Können vertraute, regelmäßige Termine nicht mehr eingehalten werden?

  • 11. Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen

Hat der demenzkranke Mensch Angst vor dem eigenen Spiegelbild, Fotos in der Wohnung oder dem Fernsehbild? Fühlt er sich verfolgt, bestohlen oder befürchtet, vergiftet zu werden? Redet er mit nichtanwesenden Personen, hat akustische oder optische Halluzinationen?

  • 12. Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten

Weint Ihr Angehöriger häufig scheinbar grundlos oder in der Situation unpassend? Wirkt er überaus misstrauisch, reizbar oder auch euphorisch und distanzlos? Ist der Umgang mit ihm dadurch erschwert?

  • 13. Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression

Jammert oder klagt die betroffene Person ständig, findet das eigene Tun oder Leben sinn- oder nutzlos? Zur Bewertung dieses Items muss eine entsprechende Diagnose vom Neurologen oder Psychiater vorliegen.

Wie wird das PEA-Assessment ausgewertet?

Die Listen für das gezeigte Verhalten zu den einzelnen Punkten sind keine vollständige Aufzählungen. Sie dienen als Beispiele dafür, welche Muster oder Störungen den einzelnen Punkten zugeordnet werden können. Das individuelle Verhalten jedes einzelnen Erkrankten ist aufzunehmen und einzuordnen.

Erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz im Sinne dieser Richtlinie liegt vor, wenn mindestens 2 Items als zutreffend bewertet wurden. Davon muss mindestens eins aus den Punkten 1 bis 9. Damit besteht Anspruch auf den Grundbetrag von 100 Euro monatlich für Betreuungsleistungen und zusätzlich die oben aufgeführten Leistungen der Pflegestufe 0.

Im erhöhtem Maße eingeschränkte Alltagskompetenz wird attestiert, wenn zusätzlich ein weiteres Item aus den Punkten 1 bis 5, 9 oder 11 zutrifft. Somit besteht Anspruch auf den erhöhten Betrag von 200 Euro monatlich zusätzlich zu den Leistungen der Pflegestufe 0.

Tipp: Machen Sie sich vor dem Besuch des Gutachters entsprechende Notizen mit konkreten Beispielen für das Verhalten Ihres Angehörigen, das den 13 Items zugeordnet werden kann. In der Situation des MDK-Termins kann es passieren, dass Sie Dinge vergessen. Auch kommt es häufig zu Disputen mit den eigenen Angehörigen, wenn Sie unterschiedlicher Meinung zu den gestellten Fragen sind. Der Gutachter ist verpflichtet, neben der eigenen Beobachtung und Begutachtung der hilfe- und pflegebedürftigen Person auch Ihre Angaben zu erfragen und aufzunehmen.

Wir klären Sie auf, was im Pflegefall zu tun ist! Jetzt informieren!

Verfasst von: . Auch wenn wir uns bemühen, dass der Inhalt dieses Blogs immer auf dem neuesten Stand ist, spiegeln die Artikel immer den Stand zum Datum der Aktualisierung wieder. Dieser Artikel wurde zuletzt am 20.04.2015 aktualisiert.

Bewerten Sie diesen Artikel

Wie wird eingeschränkte Alltagskompetenz bei Demenzkranken festgestellt?
5 Sternen.


Pflege Newsletter

– 100 % kostenlos
– jederzeit kündbar
– keine Weitergabe Ihrer Daten an Dritte

Fachbegriffe erklärt

Das Glossar erläutert alle wichtigen Fachbegriffe zur Pflege auf einfache und verständliche Art. Zum Glossar

Inhalte der Online-Pflegekurse

Informieren Sie sich hier über die Inhalte der Online-Pflegekurse für die Pflege Angehöriger. Jetzt informieren

Demenz

Demenz

Demenz ist Oberbegriff für Erkrankungen des Gehirns, die vorwiegend im Alter auftritt. Sie beeinträchtigt unter anderem das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, Motorik, Orientierung, aber auch die Gemütslage und die sozialen Fähigkeiten.

Alle Beiträge zum Thema ›

OK

Wir benutzen Cookies, um unseren Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Außerdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.